> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 14.03.1798 (442)

2015-02-26

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 14.03.1798 (442)


AN GOETHE

Jena den 14. März 1798.

Da heute noch eine Post geht, so sende die französischen Sachen gleich mit.

Der Diskurs über Hermann und Dorothea gefällt mir doch gar nicht übel, und wenn ich wüßte daß er von einem recht leibhaften Franzosen herrührte, so könnte mich diese Empfänglichkeit für das Deutsche des Stoffes und das Homerische der Form erfreuen und rühren.

Mounier erscheint in seinem Briefe, so wie ich ihn erwartete, als der ruhig beschränkte und menschliche Repräsentant des gemeinen Verstandes, mit dem man da er wirklich ohne Arges ist und das gar nicht ahnet worauf es ankommt gar nicht hadern mag. Die Instanz am Ende, daß es ein Unglück wäre, wenn ein Dorfrichter die Moral eines Kant bekennte und darnach handelte, ist auch wirklich alles, was ich, umgekehrterweise, dem Mounier zur Abfertigung sagen würde.

Leben Sie recht wohl. Ich freue mich zu hören, daß Sie mit der Ansicht Ihres Kaufs so zufrieden sind, und daß Sie die Hände nun frei haben um wieder etwas für sich selbst vorzunehmen.

Mein Kommen kann ich darum nicht wohl bestimmt annoncieren, weil alles von dem Schlaf der vorhergehenden Nacht abhängt. Leben Sie recht wohl.

Sch.
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