> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 25.03.1795 (60)

2015-02-02

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 25.03.1795 (60)





AN GOETHE

Jena, 25. März 1795

Ich erhielt heute wieder einen Brief, worin mir der alte Antrag von Tübingen mit dem Zusatz erneuert wurde, daß ich von allen öffentlichen Funktionen dispensiert sein und völlige Freiheit haben solle, ganz nach meinem Sinn auf die Studierenden zu wirken u.s.f. Ob ich nun gleich meine erste Entschließung nicht geändert habe und auch nicht leicht ändern werde, so haben sich mir doch bei dieser Gelegenheit einige ernsthafte Überlegungen in Rücksicht auf die Zukunft aufgedrungen, welche mich von der Notwendigkeit überzeugen, mir einige Sicherheit auf den Fall zu verschaffen, das zunehmende Kränklichkeilt an schriftstellerischen Arbeiten mich verhindern sollte. Ich schrieb deshalb an den Herrn G. R. Voigt, und bat ihn, mir von unserm Herrn eine Versicherung auszuwirken, das mir in jenem äußersten Fall mein Gehalt verdoppelt werden solle. Wird mir dieses zugesichert, so hoffe ich es so spät als möglich oder nie zu gebrauchen; ich bin aber doch wegen der Zukunft beruhigt, und das ist alles was ich verlangen kann.

Da Sie vielleicht davon sprechen hören und sich nicht gleich darein zu finden gewusst haben möchten, so wollte ich Ihnen in zwei Worten davon Nachricht geben.

Nächsten Sonntag erwarten wir Sie mit Verlangen. 

Alles begrüßt Sie.

Sch.

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