> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.11.1796 (238)

2015-02-13

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.11.1796 (238)



An Goethe.

Jena den 13. November 1796.

Es ist mir ein rechter Trost, Sie wieder in unserer Nähe zu wissen; noch nie ist mir eine Trennung von Ihnen so lang vorgekommen wie die jetzige, obgleich ich weniger als sonst mich allein befunden habe. Ich freue mich, wenn Sie mir Ihre neuen Entdeckungen für die Morphologie mitteilen; die poetische Stunde wird schon schlagen.

Hier ist in Ihrer Abwesenheit nichts neues vorgefallen; auch aus der literarischen Welt habe ich nichts in Erfahrung gebracht. Hier des Coadjutors Brief, die Xenien betreffend; Sie sehen daraus, daß man viel sündigen kann, wenn man sich nur erst in einen recht moralischen Ruf gesetzt hat.

An der neuen Auflage des Almanachs wird eben jetzt hier in Jena gedruckt; denn eine reifere Überlegung hat mich doch veranlaßt, dieses Geschäft lieber hier gleich vornehmen zu lassen, als in Tübingen; Göpferdt hat sich verbindlich gemacht, mit Anfang Dezembers damit fertig zu sein. Ich werde Ihnen nächste Woche Papier zu der Decke senden, davon wir jetzt, außer den vorrätigen Abdrücken, noch vierhundert fünfundzwanzig neue brauchen. Auch habe ich die Boltische Kupferplatte der Terpsichore hier, wovon doch wohl auch in Weimar die nötigen Abdrücke gemacht werden können. 

Ich habe in dieser Zeit die Quellen zu meinem Wallenstein fleißig studiert und in der Ökonomie des Stückes einige nicht unbedeutende Fortschritte gewonnen. Je mehr ich meine Ideen über die Form des Stücks rektifiziere, desto ungeheurer erscheint mir die Masse, die zu beherrschen ist, und wahrlich ohne einen gewissen kühnen Glauben an mich selbst würde ich schwerlich fortfahren können.  

Haben Sie Böttigers Schrift über Iffland, so bitte ich Sie, sie uns zu schicken. Man erzählt so viel närrisches davon; besonders soll ein Brief von der Frau Charlotte darin zu finden sein.

Noch lege ich Ihnen ein Blättchen Hexameter (!) bei, welche in Breslau von einem Champion des Herrn Manso, gegen Sie oder mich, gemacht worden sind. Es ist doch sonderbar, daß unsere bisherigen Angreifer im Silbenmaße schon verunglücken.

Alexander von Humboldt soll über die Xenien recht entzückt sein, sagt mir sein Bruder. Das ist doch wieder eine neue Natur, die sich diesen Stoff assimilieren kann.

Leben Sie recht wohl. Es grüßt Sie alles aufs beste: Humboldts, die für den Meister herzlich danken, sehnen sich, Sie zu sehen. Alles ist wohl bei mir.

Sch.
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