> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 04.11.1795 (118)

2015-02-05

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 04.11.1795 (118)




AN GOETHE

Jena 04. November 1795

Zum neuen Ankömmling meinen herzlichen Glückwunsch. Ich hätte Ihnen wohl ein Pärchen gönnen mögen, aber dazu kann ja Rat werden. Nunmehr hoffe ich auch Sie bald hier zusehen, und freue mich recht darauf. Humboldten ist es sehr angenehm, wenn Sie sein Logis ganz als das Ihrige ansehen wollen. Das einzige Bedenken dabei war, daß Hellfeld, der sich im Kontrakt ausbedungen daß keine Aftermiete stattfinden dürfte , vielleicht eine Einwendung machen möchte. Weil aber hier ja von keiner Miete die Rede ist, so wird er nicht so albern sein, sich auf den Kontrakt zu berufen. Ich habe zum Überfluss einen Brief von Humboldt an ihn in Händen, den ich, sobald Sie ihn bloß mit einem kleinen Billet an Hellfeld begleiten wollen, worin Sie um Übergabe des Schlüssels bitten, an ihn abliefern will. Er wird, wenn Sie ihm diese Ehre antun sehr bereitwillig sein. Sie werden sich gewiß in dieser Wohnung besser als im Schlosse gefallen.

Ihre Elegien haben, wie Ihnen der eingeschlossene Brief des D. Gros an Hrn. v. Humboldt zeigen wird, auch in der lateinischen Welt einen großen und gar keinen unwichtigen Bewunderer gefunden. Ich lege den Brief in Natura bei; vielleicht gefällt es Ihnen zu Realisierung des Wunsches, den der Verfasser desselben äußert, etwas beizutragen. Mir däucht, daß ich Ihnen schon von demselben etwas erzählt habe; so viel kann ich mit Gewißheit versichern, daß unsere Akademie an diesem Manne keine unwichtige Requisition machen würde. Ich kenne wenige aus der neuen Generation, die einen so gesunden Kopf, so viel gründlichen Verstand und eine so solide Beurteilungskraft haben. Im juristischen Fach hat man ihn in Göttingen sehr geachtet.

Auf den Meister warte ich mit rechter Ungeduld. Eilfertigkeit ist, wie es scheint, Ungers Sache nicht.

Leben Sie recht wohl. Meine Frau empfiehlt sich aufs beste.

Sch.

Die Horen sind Ihnen doch letzten Montag richtig zugekommen? Das achte Exemplar für Meyer habe ich an Fräulein von Imhof abgeben lassen , wie unser Freund verordnet hat. Die Exemplare sind schlecht konditioniert, und ich habe die Ihrigen noch dazu ausgesucht. Cotta entschuldigt sich mit dem Krieg, der die Papierlieferung gestört habe.
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