> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.03.1798 (440)

2015-02-26

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 13.03.1798 (440)


AN GOETHE 

Jena, 13. März 1798

Nachdem ich einmal ein vierzehn Tage erträglich wohl gewesen und mir etwas Anstrengung zugemutet, setzt sich’s mir wieder in den Kopf und macht mich unlustig und unfähig zu allem. Freilich ist das Wetter auch wieder sehr rauh geworden. Dennoch hoffe ich, meine Reise zu Ihnen, wie wohl nur auf einen Tag, noch diese Woche ausführen zu können. Meine Absicht wird erreicht sein, wenn ich Sie und Meyers Arbeiten sehe und eine bestimmte Gewißheit Ihrer Hieherkunft mit zurückbringe.

Zu der Akquisition wünsche ich von Herzen Glück. Ich fühle, bei meinem kleinen Besitztum, wieviel Freude es gewährt, für sich und die Seinigen jetzt ein Stück Erde in Anspruch zu nehmen .  

Ich habe einen braven Menschen für Mouniers Institut aufgefunden, dem ich dadurch zu einer einstweilen Existenz verhelfe, während daß Mouniern mit ihm gedient sein wird.

Man sagt hier daß die Franzosen bei Murten eine Schlappe bekommen. Es sollte mich herzlich freuen, denn auch ein kleines Glück, und gerade an diesem Ort, würde am Anfang besonders sehr gute Folgen für die Schweizer haben.

Ich habe diese Tage ein altes deutsches Ritterstück, das Sie wahrscheinlich längst vergessen haben, Fust von Stromberg wieder durchgelesen. Es läßt sich freilich sehr viel dagegen sagen, aber die Bemerkung habe ich dabei gemacht, daß der Dichter eine erstaunliche Macht über das Gemüt ausüben kann, wenn er nur recht viel Sachen und Bestimmungen in seinen Gegenstand legt. So ist dieser Fust von Stromberg zwar überladen von historischen Zügen und oft gesuchten Anspielungen, und diese Gelehrsamkeit macht das Stück schwerfällig und oft kalt; aber der Eindruck ist höchst bestimmt und nachhaltig, und der Poet erzwingt wirklich die Stimmung die er geben will. Auch ist nicht zu leugnen, daß solche Kompositionen, sobald man ihnen die poetische Wirkung erläßt, eine andre allerdings sehr schätzbare leisten, denn keine noch so gut geschriebene Geschichte könnte so lebhaft und so sinnlich in jene Zeit hineinführen, als dieses Stück es tut.

Leben Sie wohl . Mein Kopf ist ganz wüste.

Meine Frau grüßt herzlich.

Sch.
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