> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 06.07.1796 (182)

2015-02-09

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 06.07.1796 (182)


AN GOETHE

[Jena, 6. Juli 1796]


Ich wollte mich diesen Nachmittag mit Ihnen und dem Meister beschäftigen, aber ich habe keinen freien Augenblick gehabt, und mein Zimmer wurde nicht leer von Besuchen. Jetzt, da ich schreibe, ist die Kalbische und Steinische Familie da; man spricht sehr viel von der Idylle und meint, daß sie Sachen enthalte, die noch gar nicht seien von einem Sterblichen ausgesprochen worden“. — Trotz aller Entzückung darüber skandalisierte sich doch die Familie Kalb an dem Päckchen, das dem Helden nachgetragen würde, welches sie für einen großen Fleck an dem schönen Werk hält. Das Produkt sei so reich und der Held führe sich doch wie ein armer Mann auf.


Sie können denken, daß ich bei dieser Kritik aus den Wolken fiel. Es war mir so neu, daß ich glaubte, sie spräche von einem andern Produkte. Ich versicherte ihr aber, daß ich mich an einer solchen Art von Armut nicht stieße, wenn nur der andere Reichtum da sei.


Leben Sie recht wohl. Auf den Freitag mehr.


Sch.
                                                         


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