> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 11.05.1798 (462)

2015-02-27

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 11.05.1798 (462)


AN GOETHE

Jena den 11. Mai 1798.

Das Wetter hält sich noch immer gut und so erwacht auch nach und nach wieder die Neigung und die Stimmung zur Arbeit bei mir. Übrigens aber ist die Heiterkeit des Frühjahrs der düstern Schwere eines fünften Aktes an einem Trauerspiel nicht eben förderlich, ob sie gleich im ganzen den poetischen Geist weckt, der zu allem gut ist.

Daß Sie sich durch die Oper nur nicht hindern lassen, an die Hauptsache recht ernstlich zu denken. Die Hauptsache ist zwar freilich immer das Geld, aber nur für den Realisten von der strikten Observanz. Ihnen aber, muß ich den Spruch zu Herzen führen: Trachtet nach dem was droben ist, so wird euch das übrige alles zufallen.

Wenn Sie zu der Fortsetzung der Zauberflöte keinen recht geschickten und beliebten Komponisten haben, so setzen Sie sich, fürcht' ich, in Gefahr, ein undankbares Publikum zu finden; denn bei der Repräsentation selbst rettet kein Text die Oper, wenn die Musik nicht gelungen ist, vielmehr läßt man den Poeten die verfehlte Wirkung mit entgelten.

Ich bin neugierig, womit Sie die Abhandlungen für das Publikum zu würzen gedenken.

Ob es nicht anginge, daß Sie die kleinen Aufsätze über Kunst, die Sie vor acht Jahren in den Merkur eingerückt, dieser Sammlung einverleibten? Sie vermehren die Mannigfaltigkeit, machen die Masse etwas größer, und ich weiß daß sie schon damals als sie im M. erschienen, ein lebhaftes Interesse erregt haben.

Wir haben in dieser Woche auch verschiedene Divertissements, die ich zwar nur von Hörensagen kenne. Gestern gab ein junger Fränzl aus Mannheim ein Konzert auf der Violine, und heut Abend wird Herr Bianchi, dessen Existenz Ihnen wohl bekannt ist, ein Intermezzo geben. Krüger, der ehemals in Weimar engagiert war, ist mit ihm assoziiert; sie machen erschrecklichen Wind, scheinen aber doch viel Geld einzunehmen. Wie ich höre, so hat der Herzog die Truppe, die jetzt in Eisenach ist, nach Weimar eingeladen, sobald die Theatergesellschaft von da weg sein wird. Ich wäre doch wirklich begierig auf die Ballette, die sehr gerühmt werden.

Wenn Sie auf den Sonntag oder Montag hier sein können, so denke ich sollen Sie Cotta noch treffen. Ich habe ihn zwar auf morgen erwartet, aber da er nicht geschrieben, so wird er wohl später hier sein.

Zur Geisterinsel wünsche ich viel Glück. Hier sagte mir Herr Bianchi, daß die Hauptstärke nicht im Gesang sondern im Accompagnement liege, welches freilich nicht zu loben wäre.

Leben Sie recht wohl. Meine Frau erwartet Sie, so wie ich, mit Verlangen.

Sch.
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