> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 25.02.1795 (50)

2015-02-02

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 25.02.1795 (50)





AN SCHILLER

Weimar, 25. Februar 1795

Ihre gütige kritische Sorgfalt für mein Werk hat mir auf’s neue Lust und Mut gemacht das vierte Buch nochmals durchzugehen. Ihre Obelos habe ich wohl verstanden und die Winke benutzt, auch den übrigen Desideriis hoffe ich abhelfen zu können und bei dieser Gelegenheit noch manches Gute im Ganzen zu wirken. Da ich aber gleich daran gehen muß, so werden Sie mich vom dritten Stück entschuldigen, dagegen soll der Prokurator, in völliger Zierlichkeit, zum vierten aufwarten.

Die Synonymen die hier zurückkommen haben sehr meinen Beifall; die Ausarbeitung ist sehr geistreich und an manchen Stellen überraschend artig. Der Eingang dagegen scheint mir weniger lesbar, obgleich gut gedacht und zweckmäßig.

Des Verfassers Grille, nicht unter der Akademie stehen zu wollen, ist nun mit Bericht herüber gekommen. Die Akademie verlangt Satisfaction, weil er den Protektor unverschämt gescholten hat u.s.w. – Da Sie sich seiner annehmen, so sagen Sie mir nur was man einigermaßen plausibles für ihn anführen kann. Denn ein Forum privilegiatum gegen ein gemeines zu vertauschen ist doch gar zu transzendent. Der Stadtrat kann ihn nicht einmal aufnehmen, ohne daß er sich den gewöhnlichen Konditionen unterwirft. Man kann von ihm Beweis verlangen, daß er zweihundert Taler einbringt, er muß Bürger werden und was des Zeugs mehr ist. Wäre es möglich ihn zu disponieren, daß er mit der Akademie Friede machte, so ließe sich durch Voigt der jetzt Protektor ist, wohl alles in Güte abtun.

Ich hoffe Sie bald wieder, und wär’ es nur auf einige Stunden, zu besuchen. Lassen Sie mich auch abwesend nicht ferne sein.

Körnern versichern Sie, daß mich seine Teilnahme unendlich freut. Die Romanze denke ich bald auf dem Theater zu hören.

Leben Sie recht wohl.

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