> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.12.1795 (134)

2015-02-06

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.12.1795 (134)




AN SCHILLER

Weimar den 26. Dezember 1795.


Ein paar Produkte, wie die hierbei kommenden Schriften sind, dürfen Ihnen nicht unbekannt bleiben; vielleicht sind sie noch nicht zu Ihnen gelangt. Den Theater-Kalender erbitte mir bald wieder zurück.


Mit hundert Xenien, wie hier ein Dutzend beiliegen, könnte man sich sowohl dem Publico als seinen Kollegen aufs angenehmste empfehlen.


Es ist recht gut, daß die Rezension des poetischen Teils der Horen in die Hände eines Mannes aus der neuen Generation gefallen ist; mit der alten werden wir wohl niemals einig werden. Vielleicht lese ich sie bei Ihnen, denn wenn es mir möglich ist, geh' ich den dritten Januar von hier ab.


Daß man uns in unsern Arbeiten verwechselt, ist mir sehr angenehm; es zeigt daß wir immer mehr die Manier los werden und ins allgemeine Gute übergehen. Und dann ist zu bedenken, daß wir eine schöne Breite einnehmen können, wenn wir mit Einer Hand zusammenhalten und mit der andern so weit ausreichen als die Natur uns erlaubt hat.


Ich danke für den Beitrag zur Auslegung des Märchens; wir würden freilich noch ein bisschen zusehen. Ich hoffe aber doch noch auf eine günstige Wendung in den Unterhaltungen meinen beliebigen Spaß darüber machen zu können.


Wollte doch Gott, daß Woltmanns Trauerspiel producibel wäre! ich würde es gleich aufführen lassen. Alles will schreiben und schreibt und wir leiden auf dem Theater die bitterste Not.


Die Abbildung des Seifersdorfer Unwesens kenn' ich, Sie kennen ja wohl auch die Trude, die es bewohnt und die es so ausgeschmückt hat. Wielands Empfang und Bewirtung daselbst im Sommer 1794 gäbe eine vortreffliche Geschichte, wenn er sie aufsetzen wollte wie er sie erzählt.


Cotta wollen wir also auf Jubilate erwarten, ich hatte wirklich vergessen daß dieser Termin festgesetzt worden .


Leben Sie recht wohl; ich suche mich von allem was mich halten und zerstreuen könnte los zu machen, um in Ihrer Nähe wieder einige gute Zeit zuzubringen.


G.
                                                            


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