> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 12.04.1797 (294)

2015-02-16

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 12.04.1797 (294)



AN SCHILLER 

Weimar, 12. April 1797

Möge doch der kleine Ernst bald die gefährliche Krise überstehen und Sie wieder beruhigen!     

Hier folgt Cellini, der nun bald mit einer kleinen Sendung völlig seinen Abschied nehmen wird. Ich bin, indem ich den patriarchalischen Überresten nachspürte, in das Alte Testament geraten und habe mich aufs neue nicht genug über die Konfusion und die Widersprüche der fünf Bücher Mosis verwundern können, die denn freilich, wie bekannt, aus hunderterlei schriftlichen und mündlichen Traditionen zusammengestellt sein mögen. Über den Zug der Kinder Israel durch die Wüste habe ich einige artige Bemerkungen gemacht, und es ist der verwegne Gedanke in mir auf gestanden: ob nicht die große Zeit, welche sie darin zugebracht haben sollen, erst eine spätere Erfindung sei? Ich will gelegentlich, in einem kleinen Aufsatze, mitteilen, was mich auf diesen Gedanken gebracht hat.     

Leben Sie recht wohl und grüßen Humboldt’s mit Überreichung beiliegender Berlinischen Monatschrift, und geben mir bald von sich und den Ihrigen gute Nachricht.

G.
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