> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.10.1796 (232)

2015-02-12

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.10.1796 (232)


AN SCHILLER.

Weimar den 26. Oktober 1796.

Die Schachtel der Zwiebacke kommt hier mit vielem Danke zurück. Ich habe statt dieser Speise ein paar Stück des philosophischen Journals hineingelegt, die ich doppelt habe und die ich Niethammern wieder zu geben bitte.

Den Hirtischen Aufsatz finde ich nicht; er wird wohl nachkommen. 

An das letzte Stück der Horen dieses Jahres wie an die ersten des folgenden habe ich auch schon gedacht; es ist mir aber leider noch kein Rat erschienen. Was ich von alten Sachen habe, hat keine rechte Gestalt und ist eigentlich verlegene Ware. Das Tagebuch meiner Reise von Weimar bis Rom, meine Briefe von dorther und was sonst allenfalls davon unter meinen Papieren liegt, könnte nur durch mich redigiert werden; und dann hat alles, was ich in dieser Epoche auf geschrieben, mehr den Charakter eines Menschen, der einem Druck entgeht, als der in Freiheit lebt, eines Strebenden, der erst nach und nach gewahr wird, daß er den Gegenständen, die er sich zuzueignen denkt, nicht gewachsen ist, und der am Ende seiner Laufbahn erst fühlt, daß er erst jetzt fähig wäre,von vorn anzufangen. Zu einer absichtlichen Komposition umgearbeitet, würden solche Aktenstücke wohl einigen Wert erlangen; aber so in ihrer lieben Natur sind sie gar zu naiv.

Ich wünsche sehr zu hören, daß der Wallenstein Sie ergriffe; es würde Ihnen und dem deutschen Theater recht wohl bekommen. 

Ich habe diese Tage angefangen die Eingeweide der Tiere näher zu betrachten , und wenn ich hübsch fleißig fortfahre, so hoff ich diesen Winter diesen Teil der organischen Natur recht gut durchzuarbeiten. Leben Sie recht wohl. Ich wünsche gar sehr Sie bald wieder zu sehen.

G.
Übersicht aller Briefe                                                                                                   nächster Brief


Keine Kommentare: