> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 08.10.1796 (214)

2015-02-11

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 08.10.1796 (214)


AN SCHILLER

Weimar den 8. Oktober 1796.

Aus dem ruhigen Zustande, den ich in Ihrer Nähe zugebracht habe, bin ich gleich auf ganz andere Schauplätze gerufen worden; gestern und vorgestern war ich auf Ettersburg und in Schwansee, und heute früh hat uns ein Brand in der Jakobsvorstadt in Bewegung gesetzt. Von Bertuchs Hause sieht man gerade hinüber in die Lücke.

Indessen haben unsere mordbrennerischen Füchse auch schon angefangen ihre Wirkung zu tun. Des Verwunderns und Ratens ist kein Ende. Ich bitte Sie um alles, ja kein zweifelhaftes zu gestehen, denn der Sinn der Rätsel wird wie ich sehe tausendfach.

An dem Buchbinder will ich treiben was ich kann. Dienstag erhalten Sie eine Ladung; schicken Sie aber nur wieder Titelblätter und Kupfer; ich schreibe baldmöglichst wie wir überhaupt stehen.

Wenn es Ihnen recht ist, so will ich das eine incomplete Exemplar dazu benutzen um die Druckfehler zu notieren; machen Sie sich auf die zweite Ausgabe bereit und veranstalten Sie solche in klein Oktav, wie Sie neulich sagten.

Hier folgt ein reiner Abdruck der Hirtischen Platte; sie soll Montags nach Frankfurt; wenn ich die Fortsetzung des Manuskripts erhalte, korrigiere ich auch die andere. Schreiben Sie mir nur bei Zeiten, worin ich Ihnen beistehen kann, denn ich sehe viele Zerstreuung voraus. Sagen Sie doch Ihrem Herrn Schwager, nebst vielen Empfehlungen, er möge den Scheffauerschen Antrag nicht geradezu ablehnen; ich habe einen Gedanken darüber den ich Ihnen nächstens mitteilen will. Leben Sie recht wohl und grüßen Sie die Frauenzimmer schönstens.

G.
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