> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 29.11.1797 (380)

2015-02-22

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 29.11.1797 (380)



AN SCHILLER

Weimar, 29. November 1797

Da Sie so viel Gutes von meiner Elegie sagen, so tut es mir um so mehr leid, daß sich eine ähnliche Stimmung lange Zeit bei mir nicht eingefunden hat. Jenes Gedicht ist bei meinem Eintritt in die Schweiz gemacht, seit der Zeit aber ist mein tätiges, produktives Ich auf so manche angenehme und unangenehme Weise beschränkt worden, daß es noch nicht wieder hat zur Fassung kommen können; diese müssen wir denn jetzt wieder in aller Demut erwarten.

Ich wünsche sehr, daß eine Bearbeitung der Shakespearischen Produktion Sie anlocken könnte. Da so viel schon vorgearbeitet ist und man nur zu reinigen, wieder aufs neue genießbar zu machen braucht, so wäre es ein großer Vorteil. Wenn Sie nur erst einmal durch die Bearbeitung des Wallensteins sich recht in Übung gesetzt haben, so müßte jenes Unternehmen Ihnen nicht schwer fallen.

Leben Sie recht wohl. Die Jahrszeit übt leider ihre Rechte wieder über mich aus,    und da ich nichts Heiteres für diesmal aus eignen Kräften mitteilen kann, so sende ich eine Gerning’sche Ode, die ihren Effekt nicht verfehlen wird.

G.
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