> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 30.12.1795 (136)

2015-02-07

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 30.12.1795 (136)




AN SCHILLER

Weimar den 30. Dezember 1795.

Ich freue mich sehr, daß die Xenien bei Ihnen Eingang und Beifall gefunden haben, und ich bin völlig der Meinung, daß wir weiter um uns greifen müssen. Wie werden sich Charis und Johann prächtig neben einander ausnehmen! wir müssen diese Kleinigkeiten nur ins Gelag hineinschreiben und zuletzt sorgfältig auswählen. Über uns selbst dürfen wir nur das was die albernen Bursche sagen, in Verse bringen, und so verstecken wir uns noch gar hinter die Form der Ironie.

Die Rezension der Horen wird also ein rechtes Wunderding, auch passen unsere Konkurrenten mit Heißhunger darauf, und sie falle aus wie sie will, so gibt's gewiß wieder Händel.

Was Brandis in seinem Werke über die Lebenskraft über meine Metamorphose sagt, erinnere ich mich, aber nicht der Stelle die Sie anführen; wahrscheinlich hat er derselben, in seiner Übersetzung der Darwinschen Zoonomie, nochmals gedacht, da Darwin auch das Unglück hat vorher als Dichter (im englischen Sinne dieses Worts) bekannt zu sein.

Nur die höchste Dürftigkeit ließ mich von Jenes Tragödie etwas gutes hoffen. Gestern ist wieder ein detestables Stück von Ziegler aufgeführt worden: Barbarei und Größe, wobei sie so barbarisch zugehauen haben, daß ein Schauspieler fast um seine Nase gekommen ist. Wie heißt doch der Titel der Bearbeitung der Adelphen? Ich erinnere mich ihrer aus den frühesten Zeiten her.

Ich verlange recht Sie wieder zu sehen und in dem stillen Schlosse zu arbeiten; mein Leben ist, diese vier Wochen her,ein solches Quodlibet, in welchem sich hunderterlei Arten vonGeschäftigkeiten und hunderterlei Arten von Müßiggang kreuzen, mein Roman gleicht indessen einem Strickstrumpf, der bei langsamer A rbeit schmutzig wird. Indessen wird er im Kopfe überreif, und das ist das Beste.

Von Meyern habe ich einen Brief aus Rom; er ist glücklich daselbst angelangt und sitzt nun freilich im Rohre; aber er beschwert sich bitterlich über die andern Gesellen, die auch dasitzen, Pfeifen schneiden und ihm die Ohren volldudeln. Deutschland kann sich nicht entlaufen und wenn es nach Rom liefe, überall wird es von der Plattitüde begleitet, wieder Engländer von seinem Teekessel. Er hofft bald von sich und Hirt etwas für die Horen zu schicken.

Hierbei ein Brief von Obereit der in seiner Art wieder recht merkwürdig ist; ich will sehen, daß ich dem armen alten Mann etwas von unsern Herrschaften heraus bettle.

Leben Sie recht wohl und behalten mich lieb.

G.
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