> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 24.06.1797 (329)

2015-02-18

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 24.06.1797 (329)



AN SCHILLER 

Weimar, 24. Juni 1797

Dank für Ihre ersten Worte über den wieder auflebenden Faust. Wir werden wohl in der Ansicht dieses Werkes nicht variieren, doch gibt’s gleich einen ganz andern Mut zur Arbeit, wenn man seine Gedanken und Vorsätze auch von außen bezeichnet sieht, und Ihre Teilnahme ist in mehr als einem Sinne fruchtbar.

Daß ich jetzt dieses Werk angegriffen habe, ist eigentlich eine Klugheitssache: denn da ich bei Meyers Gesundheitsumständen noch immer erwarten muß, einen nordischen Winter zuzubringen, so mag ich durch Unmut über fehlgeschlagene Hoffnung weder mir noch meinen Freunden lästig sein und bereite mir einen Rückzug in dieser Symbol-, Ideen- und Nebelwelt mit Lust und Liebe vor.

Ich werde nur vorerst die großen erfundenen und halb bearbeiteten Massen zu enden und mit dem, was gedruckt ist, zusammenzustellen suchen und das so lange treiben, bis sich der Kreis selbst erschöpft.

Leben Sie recht wohl; fahren Sie fort, mir etwas über Gegenstand und Behandlung zu sagen, und schicken Sie mir die Ballade ja.

G.
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