> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 18.01.1797 (267)

2015-02-14

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 18.01.1797 (267)



AN SCHILLER 

Weimar, 18. Januar 1797

Die wenigen Stunden, die ich neulich mit Ihnen zugebracht habe, haben mich auf eine Reihe von Zeit nach unsrer alten Art wieder recht lüstern gemacht. Sobald ich nur einigermaßen hier verschiedenes ausgeführt und manches eingerichtet habe, bringe ich wieder eine Zeit mit Ihnen zu, die, wie ich hoffe, in mehr als einem Sinn für uns beide fruchtbar sein wird. Benutzen Sie ja Ihre besten Stunden, um die Tragödie weiterzubringen, damit wir anfangen können, uns zusammen darüber zu unterhalten.

Ich empfange soeben Ihren lieben Brief und leugne nicht, daß mir die wunderbare Epoche, in die ich eintrete, selbst sehr merkwürdig ist; ich bin darüber leider noch nicht ganz beruhigt, denn ich schleppe von der analytischen Zeit noch so vieles mit, das ich nicht loswerden und kaum verarbeiten kann. Indessen bleibt mir nichts übrig, als auf diesem Strom mein Fahrzeug so gut zu lenken, als es nur gehen will. Was bei dieser Disposition eine Reise für Wirkung tut, habe ich schon die letzten 14 Tage gesehen; indessen läßt sich ins Ferne und Ganze nichts Voraussagen, da diese regulierte Naturkraft, so wie alle unregulierten, durch nichts in der Welt geleitet werden kann, sondern, wie sie sich selbst bilden muß, auch aus sich selbst und auf ihre eigene Weise wirkt. Es wird uns dieses Phänomen zu manchen Betrachtungen Anlaß geben. 

Der versprochene Aufsatz ist so reif daß ich ihn in einer Stunde diktieren könnte, ich muß aber notwendig vorher mit Ihnen noch über die Sache sprechen und ich werde um so mehr eilen bald wieder bei Ihnen zu sein. Sollte sich ein längerer Aufenthalt in Jena noch nicht möglich machen, so komme ich bald wieder auf einen Tag; solch ein kurzes Zusammensein ist immer sehr fruchtbar.

Eine Abteilung Cellini korrigiere ich gegenwärtig; haben Sie eine Abschrift von derjenigen die im nächsten Stück erwartet wird, so schicken Sie mir solche doch.

Ich schließe für diesmal und wünsche recht wohl zu leben.

G.
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