> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 12.02.1796 (153)

2015-02-07

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 12.02.1796 (153)

AN SCHILLER

Weimar den 12. Februar 1796.

Wenn Sie nur die versprochenen Elegien nicht so notwendig brauchten ! denn ich weiß nicht wie ich damit einhalten soll. Schon seit acht Tagen bin ich darüber und mit Knebel in Konferenz; dadurch ist die Abschrift wieder unrein geworden und muß noch einmal gemacht werden. Wenn es möglich wäre noch acht Tage Aufschub zu geben, so sollte alles in der Ordnung sein. Ich leide noch immer unsäglich am Karneval, und durch die abermalige Ankunft von fremden Prinzen werden unsere Theater- und Tanzlustbarkeiten verrückt und gehäuft.

Da ich zum dritten Stücke noch nichts zu liefern weiß, habe ich meine alten Papiere durchgesehen, und darin wunderliches Zeug, aber meist individuelles und momentanes gefunden, daß es nicht zu brauchen ist. Um wenigstens meinen guten Willen zu zeigen, schicke ich hier eine sehr subjektive Schweizerreise. Urteilen Sie in wiefern etwas zu brauchen ist; vielleicht wenn man noch irgend ein leidenschaftliches Märchen dazu erfände, so könnte es gehen. Die Gegenden sind hundertmal betreten und beschrieben, doch betritt man sie wieder und liest die Beschreibungen noch einmal. Sagen Sie mir Ihre Gedanken darüber. Es versteht sich von selbst, daß alles was die Personen bezeichnet, müßte vertilgt werden.

Leben Sie recht wohl! Mit großer Sehnsucht hoff' ich auf den Augenblick Sie wieder zu sehen.

Meyer hat wieder geschrieben; er negociirt die Aldobrandinische Hochzeit kopieren zu dürfen. Wie sehr wünschte ich dieses herrliche Werk in unserm Besitz zu sehen. Die Nachricht von den Kantischen Gemälden ist wahr; es steht auch schon eine Nachricht im Merkur, die ich aber leider übersehen habe.

G.
Übersicht aller Briefe                                                                                              nächster Brief


Keine Kommentare: