> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 15.11.1796 (240)

2015-02-13

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 15.11.1796 (240)



AN SCHILLER.

Weimar den 15. November 1796.


Einige Dinge die ich gestern zurückließ, will ich doch gleich nachbringen. Erstlich gratuliere ich zu der zweiten Auflage; es war wohl nicht anders zu tun als daß Sie solche in Jena drucken ließen. Schicken Sie mir das Papier bald, denn man wird hier nicht gleich gefördert. Einige Buchstabenbemerkungen, sonst Druckfehler genannt, schicke ich Ihnen ehestens. Wie stark gedenken Sie diese Auflage zu machen? Wir können noch die dritte erleben.

Voßens Almanach ist über die Maßen schlecht, es tut mir leid für ihn und unser Verhältnis zu ihm, denn man muß seinen Nebenbuhlern doch einigermaßen gleich sein wenn man sie nicht hassen soll. Die Mattherzigkeit der sämmtlichen Compagnie ist unglaublich und ohne die Paar Übersetzungen wäre beinah das Bändchen völlig leer. Doch leugne ich nicht, daß wir den Creator Spiritus wohl zum Freunde haben müssen, wenn wir das nächste Jahr nicht zurück, sondern vorwärts treten wollen.

Das Angenehmste, was Sie mir aber melden können, ist Ihre Beharrlichkeit an Wallenstein und Ihr Glaube an die Möglichkeit einer Vollendung; denn nach dem tollen Wagestück mit den Xenien müssen wir uns bloß großer und würdiger Kunstwerke befleißigen und unsere Proteische Natur, zur Beschämung aller Gegner, in die Gestalten des Edlen und Guten umwandeln.

Die drei ersten Gesänge meines epischen Gedichts sind fleißig durchgearbeitet, und abermals abgeschrieben. Ich freue mich darauf sie Humboldts gelegentlich vorzulesen.

Die englische Übersetzung von Cellini, die ich durch Eschenburg erhalten habe, gehört Boie, wie sein eingeschriebner Name zeigt. Wenn Sie ihm gelegentlich schreiben, so fragen Sie ihn doch, ob er mir sie überlassen will; ich will ihm gerne dafür zahlen, was er verlangt, und ihm noch außerdem, wenn meine Arbeit künftig besonders gedruckt erscheint, ein Exemplar davon versprechen. Am englischen ist mir in mehr als Einem Betracht gelegen; besonders hat es ein sehr wohlgestochenes Portrait, das ich ausschneiden müßte um es dereinst kopieren zu lassen. Diese ganze Arbeit zu vollenden und auch nur ohne Noten zu ajustieren, brauche ich noch das Restchen vom Jahre.

Die Naturbetrachtungen freuen mich sehr. Es scheint eigen und doch ist es natürlich, daß zuletzt eine Art von subjektivem Ganzen herauskommen muß. Es wird wenn Sie wollen eigentlich die Welt des Auges, die durch Gestalt und Farbe erschöpft wird. Denn wenn ich recht Acht gebe, so brauche ich die Hülfsmittel anderer Sinne nur sparsam, und alles Raisonnement verwandelt sich in eine Art von Darstellung.

So viel vor heute mit einem herzlichen Lebewohl.


G.
                                                        


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