> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 05.03.1797 (290)

2015-02-16

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 05.03.1797 (290)



AN SCHILLER 

Weimar, 5. April 1797

Mir ergeht es gerade umgekehrt. Auf die Sammlung unserer Zustände in Jena bin ich in die lebhafte Zerstreuung vielerlei kleiner Geschäfte geraten, die mich eine Zeitlang hin und her ziehen werden; indessen werde ich allerlei tun, wozu ich nicht die reinste Stimmung brauche.

Sie haben ganz recht, daß in den Gestalten der alten Dichtkunst, wie in der Bildhauerkunst, ein Abstraktum erscheint, das seine Höhe nur durch das, was man Stil nennt, erreichen kann. Es gibt auch Abstrakta durch Manier, wie bei den Franzosen. Auf dem Glück der Fabel beruht freilich alles, man ist wegen des Hauptaufwandes sicher, die meisten Leser und Zuschauer nehmen denn doch nichts weiter mit davon, und dem Dichter bleibt doch das ganze Verdienst einer lebendigen   Ausführung, die desto stetiger sein kann, je besser die Fabel ist. Wir wollen auch deshalb künftig sorgfältiger als bisher das, was zu unternehmen ist, prüfen. 

Hier kommt Vieilleville erster Teil, die übrigen kann ich nach und nach schicken.

Grüßen Sie Ihre liebe Frau; ich habe sie leider bei ihrem hiesigen Aufenthalte nicht gesehen.

Zu dem Diplom gratuliere ich; dergleichen Erscheinungen sind, als barometrische Anzeigen der öffentlichen Meinung, nicht zu verachten.

Leben Sie recht wohl und schreiben Sie mir öfter, ob ich gleich in der ersten Zeit ein schlechter Korrespondent sein werde.

G.
Übersicht aller Briefe                                                                                                   nächster Brief


Keine Kommentare: