> Gedichte und Zitate für alle: J.H.Voß: "Luise" Erste Idylle: Das Fest im Walde (26)

2015-02-15

J.H.Voß: "Luise" Erste Idylle: Das Fest im Walde (26)




Brachten die reinlichen Teller von
Steingut, spanische Erdbeeren
Auf eiförmiger Schüssel, und fette Milch
in gestülpter
Porzellanener Komme, geformt wie ein
purpurner Kohlkopf,
Welche mit wärmendem Punsch und
Bischof füllte der Vater, 
Wann ein Freund ihn besucht in den
sausenden Tagen des Winters;
Brachten mit Eppich umlegt die
Bachkrebs', ähnlich den Hummern,
Auch zweien kalte gebratene Kapaun',
umhüllt vor den Fliegen;
Brachten dann hochgehäuft vielrautige
bräunliche Waffeln,
Auch die duftende Frucht der
grüngestreiften Melone,
Gelbe gezeichnete Butter in bläulicher
Dos', auf dem Deckel
Lag ein käuendes Rind zum Handgriff;
lieblichen Schafkäse
Und holländischen Käse, und einen
gewaltigen Rettich
Für Papa; auch Kirschen und rot und
weiße Johannisbeeren.
Aber die Jungfrau neigte sich hold, und
sprach zur Gesellschaft: 
Frisch heran, ihr Kinder, und lagert
euch unter dem Baume,
Froh wie der Schnitter im Feld und die
Binderin! Seid auch so gütig,
Unser ländliches Mahl zu entschuldigen.
Schilt nicht, du alter
Lieber Papa! denn heute am Geburtstag
habe ich Erlaubnis,
Recht unartig zu sein; und du trinkst doch
meine Gesundheit! 
Mutter, du böse Mutter, du hast den Wein
ja vergessen!
Ihr antwortete drauf die alte
verständige Hausfrau:
Mädchen, du bist mutwillig! Ein Glück,
dass der Dirne Geburtstag
Einmal im Jahre nur kommt; sonst
wüchsen die Bäume in den Himmel!
Siehe, der ehrliche Hans hat Milch und
Wein uns bedachtsam 
Abgekühlt im Schilfe des Sees; da bringt
er den Korb schon.
Also Mama; und es nahte der redliche
Hans mit dem Weinkorb,
Ehrbar, zuckte den Hut, und redete zu
der Gesellschaft:

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