> Gedichte und Zitate für alle: J.H.Voß: "Luise" Zweite Idylle: Der Besuch (40)

2015-02-16

J.H.Voß: "Luise" Zweite Idylle: Der Besuch (40)



  Das ist Segen vom Herrn! Fürwahr, wie
die Bienen und Vögel,
Möchte man schwelgen im Duft: Herr
Gott, dich loben wir! singend!
Aber die Braut, wo bleibt sie? die sonst
mit dem Hahne mir aufsteht,
Und mir am Pult den Kaffee besorgt! Nichts
hörte ich noch trippeln
Über mir! Ganz gewiss, sie verschläft des
Bräutigams Ankunft! 
Ihm antwortete drauf die alte
verständige Hausfrau:
Mann, wie du reden kannst! Sie verschläft
des Bräutigams Ankunft?
Unsere rasche Luise? Gewiss, sie steht
vor dem Spiegel,
Kleidet sich, ordnet ihr Haar in schlau
erkünstelter Einfalt,
  Ordnet die Lilaschleifen, das seidene
Tuch, und den frischen 
Blumensirauss, holdlächelnd, und gern noch
schöner sich machend.
Oder sie schlich in den Garten hinab, und
beschaut die Aurikeln,
Unruhvoll, und rot im Gesicht, wie die
Gluten des Himmels;
Blickt oft über den Zaun, und hört die
Nachtigall schmettern
Unten am Bach, und hört, o mit
klopfendem Herzen! das Posthorn. 
Holla, wie lärmt Packan! Unfehlbar wird
es Georg sein.
Kaum war geredet das Wort; da
klingelt es rasch, und Susanna
öffnete; plötzlich erschien im Reisemantel
der Eidam.

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