> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.12.1798 (557)

2015-03-05

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.12.1798 (557)



AN GOETHE 

Jena, 24. Dezember 1798

Ich setze mich mit einem sehr erleichterten Herzen nieder, um Ihnen zu schreiben, daß die Piccolomini soeben an Iffland abgegangen sind. Er hat mich in seinem Briefe so tribuliert und gequält zu eilen, daß ich heute meine ganze Willenskraft zusammennahm, drei Kopisten zugleich anstellte und (mit Ausschluß der einzigen Szene im astrologischen Zimmer, die ich nachsende) das Werk wirklich zustande brachte. Eine recht glückliche Stimmung und eine wohl ausgeschlafene Nacht haben mich sekundiert, und ich hoffe sagen zu können, daß diese Eile dem Geschäft nichts geschadet hat. So ist aber auch schwerlich ein heiliger Abend auf dreißig Meilen in der Runde vollbracht worden, so gehetzt nämlich und so qualvoll über der Angst, nicht fertig zu werden. Iffland hat mir seine Not vorgestellt, wenn er in den zwei nächsten Monaten der eigentlichen Theaterzeit nichts hätte, wodurch er die Opern, welche frei gegeben werden, balancieren könnte, da er, in seiner Rechnung auf das Stück, auf nichts anders gedacht hätte, und gab mir den Verlust bei dem versäumten Tempo auf 4000 Taler an.

Ich werde nun diese Woche anwenden, das Exemplar des Stücks für unser Weimarisches Theater in Ordnung schreiben zu lassen, die astrologische Szene überdenken und dann auf die nächste Woche, etwa den Zweiten, wenn die Witterung und mein Befinden es zulassen, zu Ihnen kommen.          

Da ich nicht weiß, ob mir eine Summe Geld, die ich erwarte, zu rechter Zeit eingeht, so will ich das nicht erst erwarten, und in Hoffnung, daß ich im Notfalle bei Ihnen etwas borgen kann, wenn ich's je brauchen sollte, mein Paket machen.

Für Ihre Güte, mir das Logis zu verschaffen, danke ich Ihnen sehr. Meubles, hölzerne, wird mein Schwager missen können, Betten aber nicht, und wenn Sie mir also davon etwas leihen wollen, so brauche ich desto weniger mitzubringen. 

Was unsre Communicationen betrifft, so wird sich mit einer Kutsche schon eine Einrichtung machen lassen.

Und nun für heute Lebewohl. Ich mußte mein Herz erleichtern, und Ihnen dieses neueste Evenement in meinem Hause melden. Meine Frau läßt Sie aufs beste grüßen.

Sch.
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