> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 21.08.1798 (490)

2015-03-01

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 21.08.1798 (490)



AN GOETHE.

Jena, 21. August 1798

Das Wetter allein hat mich, am Freitag und Sonnabend, von dem versprochenen Besuch abgehalten, indem ich doch auch gewünscht hätte, Ihre Besitzungen zu durchwandern, welches bei dem Regenwetter nicht wohl anging. Ich kann mich gar nicht daran gewöhnen, fast eine Woche nichts von Ihnen zu sehen und zu hören; unterdessen habe ich einige Dutzend Reime gemacht und bin eben an der Ballade, wobei ich mir die Unterhaltung verschaffe, mit einer gewissen plastischen Besonnenheit zu verfahren, welche der Anblick der Kupferstiche in mir erweckt hat.

Daß ich Ihnen die zwei letzten Akte vom Wallenstein vorlas und mich von Ihrem Beifall überzeugen konnte, ist eine wahre Wohltat für mich gewesen und wird mir den Mut geben und erhalten, den ich zur Vollendung des Stücks noch so nötig brauche.

Auf der andern Seite hingegen könnte es mich beinahe traurig machen, daß ich nun nichts mehr vor mir habe, worauf ich mich bei dieser Arbeit so recht freuen kann: denn Ihnen das fertige Werk vorzulesen und Ihrer Zufriedenheit gewiß zu sein, war im Grund meine beste Freude, denn bei dem Publikum wird einem das wenige Vergnügen durch so viele Mißtöne verkümmert.      

Humboldten habe ich vorigen Freitag geantwortet und ihm von dem Schicksal seiner Schrift Nachricht gegeben, die ihn hoffentlich ganz zufrieden stellen wird.

Eben unterbricht mich unser Prorector Paulus. Ich schreibe morgen Abend ein Mehrers. Leben Sie recht wohl. Meine Frau grüßt aufs beste.

Sch.
Übersicht aller Briefe                                                                                                   nächster Brief


Keine Kommentare: