> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 10.12.1799 (680)

2015-03-13

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 10.12.1799 (680)



AN GOETHE.

Weimar, 10. Dezember 1799.

Das Stück folgt hier zurück; das beste, was zu seinem Vorteil gesagt werden kann, ist gestern gesagt worden. Je tiefer man in die Handlung hineinkommt, desto schwächer erscheint das Werk. Die Motive sind schwach, zum Teil sehr gemein und plump. Antonius ist gar zu einfältig, und es ergibt sich aus der Vorrede, daß der Dichter diesen Einwurf voraussah, und sonderbar genug sich durch die Zeugnisse der Geschichte entschuldigt glaubte. Cleopatra ist nur widerwärtig, ohne Größe, selbst Octavia begreift man nicht; das Motiv mit den Kindern kommt immer wieder, in jeder Gestalt und muß die Armut an andern Mitteln ersetzen.

Es bleibt also bei unserm gestrigen Ausspruch, der rednerische Teil ist brav, der poetische und dramatische insbesondere wollen nicht viel heißen.

Sch.
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