> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 09.07 .1799 (620)

2015-03-09

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 09.07 .1799 (620)



AN GOETHE.

Jena den 9. Juli 1799.

Ohne Zweifel hat Ihnen der Hofkammerrat seine Not geklagt, und die Bedingung notificiert, unter welcher ich ihm die Aufführung meiner Stücke zu Lauchstädt accordiren kann. Er wird nun schwerlich mehr Lust dazu haben, aber ich mußte auf diesem Äquivalent bestehen, da die Bequemlichkeit der Hallenser und Leipziger die Stücke in Lauchstädt zu sehen meiner Negotiation mit Opitz nachteilig werden kann. Die Neugier des Publikums ist das einzige wovon was zu hoffen ist, und wenn diese abgeleitet ist, ist auf nichts mehr zu rechnen. Übrigens bestehe ich nicht gerade auf der Einnahme für die Vorstellungen, mir ist jede Auskunft lieb, welche zugleich mit der Convenienz des Theaters und der meinen bestehen kann. Ich habe noch einen Wunsch wegen Besetzung der Thekla hinzugesetzt, den Sie ohne Zweifel gut heißen werden, und die Ansprüche die etwa eine andere daran hätte machen mögen, glaube ich dadurch entfernt zu haben.

Übrigens bin ich, seit meiner Zurückkunft von Weimar, nicht viel weiter vorgerückt; die große Hitze wirkte gleich nachteilig auf meine Stimmung und meine Gesundheit; so viele Anstalten zu Gewittern auch am Himmel indes gewesen, so hat uns noch kein Regen erquickt; das Gras in meinem Garten ist ganz wie verbrannt.    

Ich bin begierig zu erfahren, was Sie in Absicht auf die Propyläen beschließen werden. Alles wohl erwogen und die nötige Rücksicht auf das von Cotta zugesetzte Geld genommen, hielt ich es doch fürs beste zu versuchen, ob man die Schrift nicht jetzt noch poussieren und dadurch die ersten Hefte zugleich flott machen kann. Bei der gehörigen Hinsicht auf dasjenige, was das Publikum vorzüglich wünscht und sucht, sollte dies, deucht mir, nicht fehlschlagen. Man macht fürs erste kleinere Auflagen, um die Unkosten zu vermindern, Sie lassen vielleicht von dem Preise nach, man sucht dem Journal durch Zeitungen und andere Blätter mehr Publizität zu geben. Bei der ersten Ansicht verlor ich die Hoffnung zu bald; man muß aber doch nicht zu schnell das Feld räumen. Wenn Sie etwas von dem Faust hineinrückten, so würde es viel gute Folgen haben. Gegen Ende des Jahrs, nicht früher, erschiene das fünfte Stück; zu diesem könnte ich vielleicht auch etwas aus der Maria hergeben, wodurch der darstellende Teil, der immer am meisten Liebhaber findet, ein Übergewicht bekäme. Lassen Sie uns das wohl zusammen überlegen, ein festes Beharren gewinnt endlich vielleicht doch den Prozeß. Leben Sie recht wohl. Herzliche Grüße von meiner Frau.

Sch.
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