> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.05.1803 (903)

2015-03-26

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 24.05.1803 (903)




AN GOETHE 

Weimar, 24. Mai 1803

Ich wünsche Ihnen Glück, daß Sie sich Ihres Stoffs so gut erwehren. Möchten Sie einmal alle diese Schlacken aus Ihrem reinen Sonnenelement herausschleudern, wenn auch ein Planet daraus werden sollte, der sich dann ewig um Sie herumbewegt.

Ich habe jetzt auch meine Not mit dem Stoffe anderer Art; denn da ich eben daran bin, ein Wort über den tragischen Chor zu sagen, welches an der Spitze meiner Braut von Messina stehen soll, so drückt das ganze Theater mit samt dem ganzen Zeitalter auf mich ein, und ich weiß kaum, wie ich es abfertigen soll. Übrigens interessiert mich diese Arbeit, ich  will suchen, etwas Ordentliches zu sagen und der Sache, die uns gemeinsam wichtig ist, dadurch zu dienen.   

Mit Cotta ist neulich alles abgetan worden, wie Sie es wünschen. Über den Druck der Natürlichen Tochter werden Sie selbst Frommann seine Instruktionen geben. Ehlers habe ich die zehn Louisdor auf Cottas Rechnung pränumerirt.

Cotta scheint wegen Cellinis bessern Mut zu haben; es sind wenigstens viele Exemplare davon auf Kommission bestellt worden, so daß das Werk doch nun von dem Strom des Handels und der Literatur ergriffen worden. Er hat mir kein Exemplar davon geben können, ich muß mir also eins von Ihnen ausbitten.

Humboldt hat wieder geschrieben und läßt Sie schönstens grüßen. Es ist ordentlich Krankheit, wie er mitten in Rom nach dem übersinnlichen und unsinnlichen schmachtet, so daß Schellings Schriften jetzt seine heftigste Sehnsucht sind; er wird ihn nun bald selbst zu sehen bekommen, und dann wahrscheinlich im Vatican die Gespräche beim Jenaischen Fuchsturm erneuren. Ich zweifle ob er es lange dort aushalten wird.

Hier schicke ich Ihnen einige poetische Fabrikate. Das Siegesfest ist die Ausführung einer Idee, die unser Kränzchen vor anderthalb Jahren mir gegeben hat, weil alle gesellschaftlichen Lieder, die nicht einen poetischen Stoff behandeln, in den platten Ton der Freimaurer-Lieder verfallen. Ich wollte also gleich in das volle Saatenfeld der Ilias hineinfallen, und mir da holen was ich nur schleppen könnte .

Leben Sie recht wohl und bleiben Sie auch nicht zu lange. Zelter höre ich reist am 1. Juni von Dresden ab.

Sch.
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