> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 20.03.1802 (849)

2015-03-23

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 20.03.1802 (849)



AN GOETHE 

Weimar, 20. März 1802

Ich freue mich, daß Sie bald wieder hier sein und daß wir den Eintritt des Frühjahrs zusammen zubringen werden, der mich immer traurig zu machen pflegt, weil er ein unruhiges und gegenstandloses Sehnen hervorbringt.  

Gern will ich das Mögliche tun, um die Iphigenia zur theatralischen Erscheinung zu bringen; es ist bei einem solchen Geschäft immer viel zu lernen und an dem Erfolg zweifle ich nicht, wenn unsre Leute das ihrige leisten. Es ist mir neulich sogar aus Dresden geschrieben worden, daß man die Iphigenia dort auf die Bühne bringen will, und gewiß werden noch andre Theater nachfolgen.   

Mit dem Carlos bin ich auf ziemlich gutem Wege und hoffe, in acht oder zehn Tagen damit zustande zu sein. Es ist ein sicherer theatralischer Fond in dem Stück, und es enthält vieles, was ihm die Gunst verschaffen kann. Es war freilich nicht möglich, es zu einem befriedigenden Ganzen zu machen, schon darum, weil es viel zu breit zugeschnitten ist; aber ich begnügte mich, das Einzelne nur notdürftig zusammenzureihen und so das Ganze bloß zum Träger des Einzelnen zumachen. Und wenn vom Publikum die Rede ist, so ist das Ganze doch das, was zuletzt in Betrachtung kommt.  

Die Jungfrau v. O. wollen wir aber erst in Lauchstädt spielen lassen, ehe wir hier damit auftreten. Ich muß mir dieses ausbitten, weil sich der Herzog einmal bestimmt dagegen erklärt hat und ich auch nicht von ferne den Schein haben möchte, als wenn ich die Sache betrieben hätte. Mündlich darüber mehr. Der zweite Grund ist, weil ich im vorigen Jahre der Jagemann die Johanna zugeteilt, so würde es sonderbar aussehen, wenn ich ihr die Rolle jetzt nehmen wollte. Wird aber das Stück in Lauchstädt zuerst, und die Johanna durch die Vohs gespielt, so kann jene alsdann auch bei der hiesigen Repräsentation keinen Anspruch mehr daran machen . Übrigens will ich das Stück in den letzten Wochen des hiesigen Theaterjahrs einlernen lassen und selbst einige Proben dirigieren, daß es gut gelernt wird, und daß man in Lauchstädt mit allen Ehren damit auftreten kann.

Für meine andern ältern Stücke kann ich dieses Jahr nichts mehr tun; auch eilt es damit nicht, denn wenn nur noch die Iphigenia zu Stande kommt, so kommt die Gesellschaft dieses Jahr reicher als niemals nach Lauchstädt. Ja es wäre kaum möglich noch mehrere Stücke einzulernen.

Noch habe ich eine neue Übersetzung der Frauenschule von Moliére in meiner Verwahrung, die ganz gewiss zu brauchen sein wird, wenn man nur erst noch einiges dafür getan hat. Außerdem ist mir noch ein anderes Stück mitgeteilt worden, das viel Gutes enthält, aber freilich, da es aus einem Roman entstanden, viele dramatische Fehler hat.

Madame Mereau sagte mir, daß sie den Cid des Corneille bearbeite; wir wollen suchen auf diese Arbeit einigen Einfluss zu gewinnen, um wo möglich eine Akquisition für das Theater dadurch zu machen.

Die Gesellschaft werde ich Ihrem Auftrage gemäß einladen, und bin voll Erwartung, ob man sich hinlänglich abgekühlt haben wird, um mit gutem Anstand zu einem freundschaftlichen Verhältnis zurückzukehren. Zeltern gab ich meine zwei Lieder mit auf den Weg, und erwarte was er daraus machen wird. Übrigens ist die eine von den Körnerischen Melodien recht singbar, wenn unsre Damen es nur besser verständen.

Leben Sie recht wohl. Es wäre möglich daß ich Sie auf den Montag in Jena sähe, weil meine Schwägerin durch Jena reist, um eine Freundin in der Nähe zu besuchen und wir sie vielleicht begleiten. Doch ist es noch nicht gewiss.

Sch.
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