
AN GOETHE.
Weimar, 5. September 1800.
Der Humboldtische Aufsatz, den ich Ihnen hier zurückschicke, wird recht gut zu brauchen sein. Der Inhalt muß interessieren, denn er betrifft einen abgeschlossenen menschlichen Zustand, der wie der Berg auf dem er seinen Sitz hat, vereinzelt und inselförmig ist, und mithin auch den Leser aus der Welt heraus und in sich selbst hineinführt. Die Beschreibung könnte ein wenig lebhafter und unterhaltender sein, doch ist sie nicht trocken, und zuweilen läßt sich vielleicht mit einem Worte oder einem Strich nachhelfen . Es wäre zu wünschen, daß unmittelbar neben diesem Gemälde ein entgegengesetztes von dem bewegtesten Weltleben hätte angebracht werden können, so würden beide eine doppelte Wirkung tun.
Ich hoffe, Sie haben sich in Ihrer Einsamkeit nun bald wieder gefunden, und erwarte in Ihrem morgenden Brief schon zu lesen, daß etwas produziert worden ist. Auch ich habe nun förmlich beim Anfang angefangen und hoffe noch einen Abschnitt zu erreichen, ehe ich nach Jena hinüber komme. Auf der Gemälde-Gallerie bin ich unterdessen einmal gewesen, und habe verschiedene Bemerkungen über das Publikum gemacht , welche ich mündlich mitteilen will.
Indes Meyer unsre deutschen Künstler richtet und mustert, fallen sie reziproke über ihn her und halten sich über seine Arbeiten auf. So schreibt mir Crusius mein Verleger aus Leipzig, daß die Zeichnung vor meinen Gedichten den Leipzigern gar sehr missfalle , daß sie viel zu unbestimmt und ohne Ausdruck sei , und bittet mich deswegen, in künftigen Fällen einen andern Künstler vorzuschlagen. Nun möchte ich wissen, wo dem Herrn Schnorr das Bestimmte und Ausdrucksvolle sitzt .
Über den Wallenstein gibt mir Cotta ganz gute, Nachrichten. Von vierthalbtausend Exemplaren sind jetzt schon die meisten abgesetzt, und er macht zu einer neuen Auflage Anstalt. Daß sich das Publikum auch durch einen teuern Preis vom Kauf abschrecken läßt, ist für Ihren Faust ein sehr gutes Omen; hier kann Cotta sogleich eine Auflage von 6—8000 Exemplaren machen.
Der arme Eschen, Voßens Schüler, den Sie als Übersetzer des Horaz kennen, ist im Chamouni-Tal verunglückt. Er glitschte im Steigen aus und fiel in einen Abgrund, wo er unter Schneelawinen begraben wurde und nimmer zum Vorschein kam. Es tut mir sehr leid um den armen Schelmen , daß er auf eine so jämmerliche Art aus der Welt gehen mußte.
Den 6. September.
Mir ist noch kein Brief von Ihnen gebracht worden. Ich will hoffen daß recht großer Fleiß Sie abgehalten, mir zu schreiben. Leben Sie recht wohl und lassen mich bald von Ihnen hören.
Sch.

Weimar, 5. September 1800.
Der Humboldtische Aufsatz, den ich Ihnen hier zurückschicke, wird recht gut zu brauchen sein. Der Inhalt muß interessieren, denn er betrifft einen abgeschlossenen menschlichen Zustand, der wie der Berg auf dem er seinen Sitz hat, vereinzelt und inselförmig ist, und mithin auch den Leser aus der Welt heraus und in sich selbst hineinführt. Die Beschreibung könnte ein wenig lebhafter und unterhaltender sein, doch ist sie nicht trocken, und zuweilen läßt sich vielleicht mit einem Worte oder einem Strich nachhelfen . Es wäre zu wünschen, daß unmittelbar neben diesem Gemälde ein entgegengesetztes von dem bewegtesten Weltleben hätte angebracht werden können, so würden beide eine doppelte Wirkung tun.
Ich hoffe, Sie haben sich in Ihrer Einsamkeit nun bald wieder gefunden, und erwarte in Ihrem morgenden Brief schon zu lesen, daß etwas produziert worden ist. Auch ich habe nun förmlich beim Anfang angefangen und hoffe noch einen Abschnitt zu erreichen, ehe ich nach Jena hinüber komme. Auf der Gemälde-Gallerie bin ich unterdessen einmal gewesen, und habe verschiedene Bemerkungen über das Publikum gemacht , welche ich mündlich mitteilen will.
Indes Meyer unsre deutschen Künstler richtet und mustert, fallen sie reziproke über ihn her und halten sich über seine Arbeiten auf. So schreibt mir Crusius mein Verleger aus Leipzig, daß die Zeichnung vor meinen Gedichten den Leipzigern gar sehr missfalle , daß sie viel zu unbestimmt und ohne Ausdruck sei , und bittet mich deswegen, in künftigen Fällen einen andern Künstler vorzuschlagen. Nun möchte ich wissen, wo dem Herrn Schnorr das Bestimmte und Ausdrucksvolle sitzt .
Über den Wallenstein gibt mir Cotta ganz gute, Nachrichten. Von vierthalbtausend Exemplaren sind jetzt schon die meisten abgesetzt, und er macht zu einer neuen Auflage Anstalt. Daß sich das Publikum auch durch einen teuern Preis vom Kauf abschrecken läßt, ist für Ihren Faust ein sehr gutes Omen; hier kann Cotta sogleich eine Auflage von 6—8000 Exemplaren machen.
Der arme Eschen, Voßens Schüler, den Sie als Übersetzer des Horaz kennen, ist im Chamouni-Tal verunglückt. Er glitschte im Steigen aus und fiel in einen Abgrund, wo er unter Schneelawinen begraben wurde und nimmer zum Vorschein kam. Es tut mir sehr leid um den armen Schelmen , daß er auf eine so jämmerliche Art aus der Welt gehen mußte.
Den 6. September.
Mir ist noch kein Brief von Ihnen gebracht worden. Ich will hoffen daß recht großer Fleiß Sie abgehalten, mir zu schreiben. Leben Sie recht wohl und lassen mich bald von Ihnen hören.
Sch.

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