> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 17.01.1804 (937)

2015-03-28

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 17.01.1804 (937)




AN GOETHE 

Weimar, 17. Januar 1804

Ein Übel, das ich nicht vernachlässigen darf und das mich besonders am Gehen hindert, hält mich seit gestern zu Hause auf dem Sofa gefesselt und ist schuld, daß ich das heutige Diner bei Madame von Stael sowie auch das Konzert auf den Abend versäumen muß. Leider gewinne ich dadurch nichts für mein Geschäft, denn der Kopf ist sehr eingenommen. Da meine Frau auch eines bösen Hustens wegen nicht ausgeht, so haben Sie wohl die Güte, falls es nötig, uns bei Serenissimo des Konzerts wegen zu entschuldigen.    

Die Zeitungsblätter habe ich mit großem Anteil gelesen. Der Anfang den die theologische Exposition macht ist vortrefflich und hätte, wenn man auch die freieste Auswahl gehabt hätte, nicht wohl bedeutender ausfallen können. Die Rezension des Sartorischen Werks ist sehr gehaltvoll und tüchtig! den Eingang muß man ihm als rednerisch und ad extra gerechnet passieren lassen, da er ihn in der Folge wieder so naiv aufhebt. Vom Cellini hätte mehr gesagt werden sollen und müssen, indessen ist diese frühzeitigere Anzeige davon, wenn sie auch nicht ganz befriedigt, der Verbreitung des Werks nützlich.

Der Bericht über die Philosophie in dem Intelligenzblatt hat mir große Freude gemacht und ist ein überaus glücklicher Gedanke! ich bin sehr auf die Fortsetzung begierig. Mehr solche Ausführungen, von derselben Hand, über philosophische Dinge würden eine glückliche Veränderung in der öffentlichen Meinung über Philosophie vorbereiten. Zur Schande meiner Sagazitat muß ich gestehen, daß ich über den Verfasser dieses Aufsatzes noch nicht im reinen bin.

Johannes Müller ist uns sehr nahe: ein Brief den ich heute von Körnern erhalte, meldet mir daß er dort war und nächstens bei uns eintreffen wird. Körner hält die Anstellung Böttigers in Dresden noch nicht ganz für entschieden, weil man in D. sein Engagement mit Berlin wisse und durchaus nicht damit kollidieren wolle.

Madame de Staël schrieb heute in einem Billet an meine Frau von einer baldigen Abreise, aber auch von einer sehr wahrscheinlichen Zurückkunft über Weimar.

Lassen Sie mich hören wie es Ihnen geht. Ich werde diesen Nachmittag eine Leseprobe des Mithridat bei mir haben, da ich doch nichts wichtigeres versäume.

Sch.
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