> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 11.02.1802 (837)

2015-03-22

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 11.02.1802 (837)





AN GOETHE 

Weimar, 11. Februar 1802

Ich habe mich nun zum Ankauf des Hauses von Mellish entschlossen, da er etwas davon herunterläßt. Obgleich ich noch immer nicht wohlfeil kaufe, so muß ich doch zugreifen, um einmal für allemal dieser Sorge überhoben zu sein. Unter diesen Umständen ist es mir aber nun doppelt daran gelegen, meinen kleinen Jenaischen Besitz loszuwerden, und ich bitte Sie daher, Goetzen diese Angelegenheit aufzutragen. Die Anzeige in das Wochenblatt lege ich bei, wie auch eine kurze Notiz, was für das Gartenhaus jährlich an Steuern usw. erlegt wird. Der Ankauf hat mich 1150 Reichstaler gekostet, und ich habe 500 Reichstaler darein verbaut, wie ich mit den Rechnungen dokumentieren kann. Ich möchte nun freilich nicht gerne dabei verlieren und womöglich noch etwas gewinnen. Da ich aber jetzt gern bares Geld hätte, um mein hiesiges Haus bald von aller Hypothek zu befreien, so bin ich mit 1500 Taler als dem äußersten Preis für Garten und Gartenhaus zufrieden. Was Goetze mir über diese Summe verschaffen kann, will ich ihm hoch verinteressieren. Auch bin ich’s zufrieden, wenn mir diese Summe binnen 2 oder 3 Terminen, etwa 1/3 auf Ostern, 1/3 auf Johannis und der Rest auf Michaelis oder Weihnachten bezahlt wird. Kann ich gleich alles bar erhalten, ist es freilich besser.

Verzeihen Sie, daß ich Sie mit dieser Angelegenheit plage; aber da Sie einmal mit Büchertiteln und Nummern beschäftigt sind, so mag auch dieses mechanische Geschäft mit den  andern hingehen. Mir hat diese ökonomische Angelegenheit, so wie alle natürlichen Dinge zu tun pflegen, alle freie Geistesstimmung verdorben; denn ich mußte mich mit den Mitteln beschäftigen, diesen Besitz mir zu verschaffen, und nun ich ihn als mein ansehe, wachsen mir neue Sorgen zu, wie ich ihn meinen Zuständen anpassen soll. Unter diesen Umständen hat ein kleines Gedicht, Cassandra, das ich in einer ziemlich glücklichen Stimmung angefangen, nicht viel Fortschritte gewinnen können.   

Ich erhielt dieser Tage von Stuttgart aus den Antrag eine hinterlassene Oper von dem guten Zumsteeg dem hiesigen Theater für 6 Carolin anzutragen. Da er seine Frau mit weniger als Nichts und mit vielen Kindern hinterlassen, so werden Sie wohl thun was möglich ist, um der Familie diesen Vortheil zuzuwenden.

Möge Ihnen Ihre herculische Bücherexpedition gut von Statten gehen!

Leben Sie recht wohl.

Sch.
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