> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 01.10.1800 (771)

2015-03-18

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Goethe 01.10.1800 (771)




AN GOETHE.

Weimar, 1. Oktober 1800.

Ihre historischen Resultate aus den eingeschickten Preisstücken hat mir Meyer neulich gleich mitgeteilt und wir haben uns beide recht darüber erfreut. Und wäre wirklich aus dem ganzen Institut nur dieses einzige Resultat gewonnen worden, so verlohnte es schon der Mühe, daß diese neunundzwanzig Künstler sich beschäftigt hätten, denn es gibt einen sehr charakteristischen und zu vielerlei Gebrauch fruchtbaren Blick über die jetzige Kunststatistik. Auch wird gerade diese Bemerkung am allgemeinsten interessieren.

Daß Sie mit meiner Arbeit zufrieden sind und sie mit Ihrem Zweck zusammenstimmend finden, muß mir doppelt lieb sein, weil ich sie wirklich mehr auf Ihren Wunsch als aus eigenem Trieb unternommen; denn Sie werden gefunden haben, daß gerade das, was mich ganz am Anfang dazu bestimmte, die Ergießung meiner Empfindungen über Rahls Zeichnung, nicht die Hauptsache darin geworden ist.

Wenn ich aus dem was Meyer getan und was ich selbst gesagt, urteilen soll, was eigentlich noch vorzüglich auszusprechen wäre, so bietet sich mir besonders folgendes an: 

Meyer ist ins künstlerische, ich bin ins poetische und allgemein philosophische gegangen; nun möchte noch etwas allgemeines und wenn Sie wollen scientifisches, über das eigentlich künstlerische zu sagen sein. Ich fühlte wohl die Notwendigkeit, auf meinem Wege, auch daran zu rühren, aber da es ganz außer meiner Kompetenz und Wissenschaft lag, so habe ich mich nur an den bloßen Gedanken des Bildes gehalten. Es wäre also noch nötig über die malerische Behandlung, die sinnliche Anordnung, kurz über dasjenige, was alsdann zu thun ist, wenn der Gedanke gefunden und nun durch die Mittel der bildenden Kunst darzustellen ist, etwas allgemeines wissenschaftliches auszusprechen.Zwar ruhen Meyers Urteile schon darauf, aber er schränkt sich mehr aufs Urteilen ein, und da wäre also die Major zu seiner Minor noch auszusprechen.

Für Mitteilung der Humboldtischen Arbeit danke ich Ihnen sehr; ich hoffe allerlei daraus zu lernen. Es wird mir schwer mit Hermanns Buch zurecht zu kommen und schon vorn herein finden sich Schwierigkeiten; ich bin neugierig wie es Ihnen mit diesem Buche ergangen und hoffe, das Sie mir ein Licht darin aufstecken werden.

Die Schauspieler sind nun wieder hier und schimpfen sehr auf Rudolstadt, wo sie schlechten Dank scheinen geerntet zu haben. Es ist lustig wie diese Herrn über Kotzebue sich mokieren, als wenn sie wirklich Geschmack hätten. Indes ist nicht zu leugnen, daß sie manchen Tadel wirklich richtig meinen und begründen, nur hängt es bei ihnen nicht zusammen. Ihre Bemerkungen über Macbeth wollen wir so gut als möglich zu nutzen suchen. Da ohnehin eine andre Besetzung des Stücks notwendig wird, weil Vohs nicht den Macbeth spielen kann, und Spangler abgegangen ist, so könnte man übel die Besetzung der Hexen vielleicht noch etwas anders beschließen.

Cotta scheint ein Wort von Ihnen zu erwarten und ist Ihres Stillschweigens wegen in Sorgen. Die Nachdrucker machen ihm jetzt wegen des Wallenstein zu schaffen. Einer in Bamberg hat ihn schon gedruckt und versendet, ein andrer in Wien hat ein kaiserliches Privilegium darüber erhalten. So kommt uns von dorther nie etwas gutes, aber sie stören und hindern desto mehr.

Leben Sie recht wohl, und beendigen Sie bald Ihr Geschäft, um sich hier wieder einzufinden und zusammen zu ziehen, eh der Winter kommt.

Sch.
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