> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 22.01.1802 (833)

2015-03-22

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 22.01.1802 (833)





AN SCHILLER.

Jena den 22. Januar 1802

Ich sage heute nur wenig, indem ich die Beilage schicke, die Ihnen gewiss Freude machen wird, wenn Sie das Gedicht nicht schon kennen. Nur Schade daß schon Jones und nun auch Dalberg (siehe p. XV.) die sogenannten anstößigen Stellen unterdrückt haben; dadurch erhält das Stück einen lüsternen Charakter, da es im Original gewiss einen genussvollen ausdrückt.

Mir waren äußerst merkwürdig die mannigfaltigen Motive, durch die ein einfacher Gegenstand sich zu einem unendlichen erweitert.

Die Hauptprobe von Turandot wird wohl Donnerstag sein. Schreiben Sie mir, ob Sie ohne mein Zutun glauben fertig zu werden, so käme ich erst Freitag früh. Der schreckliche Wust des Büttnerischen Nachlasses bedrängt mich um so mehr, als ich gleich räumen soll, um dem neuen Kommandanten Platz zu machen. Ich dachte die Zimmer zu zuschließen und diesen Wirrzopf methodisch aufzukämmen, nun muß ich ihn aber rein wegschneiden und sehen wo ich die Sachen herum stecke , und dabei Sorge tragen, daß ich die Verwirrung nicht vermehre.

Montag Nachmittag wird erst legaliter aufgesiegelt und da habe ich zum Déménagement nur wenig Zeit. Ich muß überhaupt denken das Haus brenne, und da würde das Ausräumen noch etwas konfuser ablaufen.

Die Philosophen habe ich noch nicht gesehen.

G.
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