> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 23.01.1804 (941)

2015-03-28

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 23.01.1804 (941)




AN SCHILLER 

Weimar, 23. Januar 1804

Eben war ich im Begriff anzufragen, wie es Ihnen gehe, denn bei diesem langen Auseinandersein wird es einem doch zuletzt wunderlich.

Heute habe ich zum erstenmal Madame von Stael bei mir gesehen; es bleibt immer dieselbe Empfindung; sie geriert sich mit aller Artigkeit noch immer grob genug als Reisende zu den Hyperboreern, deren kapitale alte Fichten und Eichen, deren Eisen und Bernstein sich noch so ganz wohl in Nutz und Putz verwenden ließen; indessen nötigt sie einen doch, die alten Teppiche als Gastgeschenk und die verrosteten Waffen zur Verteidigung hervorzuholen.  

Gestern habe ich Müller gesehen, wahrscheinlich wird er heute wieder kommen. Ich werde Ihren Gruß ausrichten. Er ist über das Weimarische Lazarett freilich betroffen, denn es muß recht übel aussehen, wenn der Herzog selbst auf dem Zimmer bleibt. Bei allen diesen Unbilden habe ich den Trost daß Ihre Arbeit nicht ganz unterbrochen worden, denn das ist das einzige von dem was ich übersehe, das unersetzlich wäre; das wenige, was ich zu tun habe, kann noch allenfalls unterbleiben. Halten Sie sich ja stille, bis Sie wieder zur völligen Tätigkeit gelangen. Wegen Müllers hören Sie morgen bei Zeiten etwas. Das schönste Lebewohl.

Auch die neue Literaturzeitung schicke vielleicht noch heute Abend.

G.
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