> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 07.10.1798 (522)

2015-03-03

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 07.10.1798 (522)



AN SCHILLER.

Weimar am 7. Oktober 1798.

Mit der heutigen Abendpost will ich Ihnen nur einige Worte sagen wie wir ohngefähr stehen:

Von dem Prolog lasse ich zwei Abschriften machen, gleichlautend mit Ihrem gedruckten. Der von mir veränderte Periode, den Sie aufgenommen haben, wird eingeschaltet.

Für die Rezitation hier habe ich eine andere Ausgabe veranstaltet, und die Mimen und Aeren bei Seite gebracht, dagegen den Wallenstein ein paarmal genannt, damit man nur irgend ohngefähr verstehe was wir wollen. Wie anders ist es was man mit sich und unter Freunden ins zarteste und besonderste arbeitet! und was der fremden Masse im allgemeinsten vorgetragen werden soll! Sie werden darüber noch das wunderbarste bei dieser Gelegenheit erleben und hören.  

Übrigens geht noch bis jetzt alles ganz erwünscht. Der Saal sieht sehr artig aus, und der größte Teil ist vergnügt und erfreut darüber, so daß die einzelnen Widersacher einsehr böses Spiel haben.

Das Vorspiel geht recht artig. Es war heute Probe auf dem Theater; wir müssen aber auf die geringste Veränderung Verzicht tun. Bei der Schwierigkeit, eine so neue und fremde Aufgabe mit Ehren zu vollenden, klammert sich jeder so fest an seine Rolle wie ein Schiffbrüchiger ans Brett, so daß man ihn unglücklich machte, wenn mans ihm wacklig macht.

Ich arbeite nur, daß alles Einzelne herausgehoben werde und sich ins Ganze anschließe.

Das Soldatenlied liegt bei, womit das Stück anfangen soll.Die Musik wird morgen früh in Ordnung kommen, und ich hoffe, bald soll alles wohl im Hause stehen.

Ich will Sie nicht eher herübersprengen, als nötig ist, denn es ist noch nicht einmal wahrscheinlich, daß wir Mittwoch spielen. Sobald aber Prolog und Vorspiel so eingelernt sind, daß Sie solche mit Vergnügen hören könnten, so schicke ich einen Expressen. Halten Sie sich daher parat, um abgehen zu können.  

Die Kapuzinerpredigt schicken Sie mir ja, sobald sie fertig ist. Sonst ist alles besorgt    und die Abschriften, von denen ich zu Anfang des Briefes sprach, gehen morgen Abend an Schröder und Posselt.       

Übrigens ist eine Vorrezension der Aufführung, sowie des Effekts, den das Stück gemacht hat, schematisiert und kann in einigen guten Stunden fertig werden. Da ich mich einmal auf das Element der Unverschämtheit begeben habe, so wollen wir sehen, wer es mit uns aufnimmt.

Indessen bleiben Sie ruhig, bis mein Bote kommt. Sollte sichs morgen zeigen, daß wir Mittwoch nicht spielen, so erfahren Sies Dienstag durch einen Boten.

Übrigens kann ich Sie versichern, daß der Hauptzweck erreicht wird. Einige wenige, die dem Prolog zugehört haben, glauben, so wie die Schauspieler selbst, daß sie doch nun so ziemlich wüßten, wie es damals ausgesehen habe.     

Leben Sie recht wohl und seien Sie nur so fleißig als möglich.

Wegen der Kupfer wird Meyer das seinige tun; leider liegt auf diesen Dingen der Fluch daß sie immer übereilt werden müssen. Grüßen Sie Ihre liebe Frau.

G.
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