> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 05.09.1798 (503)

2015-03-02

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 05.09.1798 (503)



AN SCHILLER 

Weimar, 5. September 1798

In der Hoffnung, Sie morgen zu sehen, schreibe ich nur wenig. Die Balladen folgen zurück, sie sind beide sehr gut geraten. Bei dem christlichen Drachen finde ich nichts zu erinnern, er ist sehr schön und zweckmäßig. In der Bürgschaft möchte es physiologisch nicht ganz zu passieren sein, daß einer, der sich an einem regnigen Tag aus dem Strome gerettet, vor Durst umkommen will, da er noch ganz nasse Kleider haben mag. Aber auch das Wahre abgerechnet und ohne an die Resorption der Haut zu denken, kommt der Phantasie und der Gemütstimmung der Durst hier nicht ganz recht. Ein ander schickliches Motiv, das aus dem Wandrer selbst hervorginge, fällt mir freilich zum Ersatz nicht ein; die beiden andern von außen, durch eine Naturbegebenheit und Menschengewalt, sind recht gut gefunden.

Wollten Sie wohl die Güte haben beiliegenden Zettel an Professor Lenz zu schicken und mir das Buch mitzubringen. Treten Sie ja von Ihrem guten Vorsatz nicht zurück. Ihre Reise wird Ihnen gewiß wohl bekommen.

Den vortrefflichen Sternbald lege ich bei, es ist unglaublich wie leer das artige Gefäß ist.

G.
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