> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 14.07.1798 (479)

2015-03-01

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 14.07.1798 (479)




AN SCHILLER

Weimar, den 14. Juli 1798

Diese Tage scheinen also uns beiden nicht die günstigsten gewesen zu sein, denn seit ich von Ihnen weg bin, hat mich der böse Engel der Empirie anhaltend mit Fäusten geschlagen. Doch habe ich ihm, zu Trutz und Schmach, ein Schema aufgestellt, worin ich jene Naturwirkungen, die sich auf eine Dualität zu beziehen scheinen, parallelisiere, und zwar in folgender Ordnung:

magnetische

elektrische

galvanische

chromatische und

sonore.

Ich werde des Geruchs und Geschmacks nach Ihrem Wunsche nicht vergessen. Die Resultate mögen sein welche sie wollen, so ist diese Methode äußerst bequem, um die Fragen zu finden die man zu tun hat.

Die gegossenen eisernen Körper sind auch von Ilmenau angekommen. Die Experimente um derenwillen ich sie gießen ließ, sind ausgefallen wie ich’s dachte; aber ein paar neue Phänomene, an die ich nicht denken konnte und die sehr merkwürdig sind, haben sich gezeigt.

Das Gedicht folgt hier wieder zurück, das eine ganz eigene Art von Nullität hat. Die jungen Herrn lernen Verse machen, so wie man Düten macht; wenn sie uns nur aber auch darin einiges Gewürz überreichten! Ob es für den Almanach sei, weiß ich nicht. Es käme, dünkt mich, darauf an, ob Sie Platz haben, denn das Publikum, besonders das weibliche,liebt solche hohle Gefäße, um sein bißchen Herz und Geist darein spenden zu können.

Der Riß zum neuen Theater ist nun bestimmt, ja sogar auf dem Fußboden schon aufgezeichnet, und nächste Woche wird wohl angefangen werden. Der Gedanke ist sehr artig und anständig, und wenn das Ganze zusammen ist, wird es gewiß gefallen. Es gehen etwa zweihundert Menschen mehr hineinals bisher, und wird doch bei weniger zahlreichen Repräsentationen nicht leer aussehen. Ich denke, auch wir wollen zur rechten Zeit noch fertig werden.

Ich will nun alles möglichst zu ordnen und einzuleiten suchen und sobald als möglich wieder zu Ihnen hinüberkommen, denn mich verlangt gar sehr, auf dem Wege, den wir einmal eingeschlagen, mit Ihnen fortzuschreiten. Leben Sie recht wohl, grüßen Ihre liebe Frau und gedenken mein.

G.
                                                      


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