> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 31.10.1798 (533)

2015-03-04

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 31.10.1798 (533)



AN SCHILLER

Weimar, den 31. Oktober 1798

Hier schicke ich den Schröderischen Brief zum Zeugnis daß ich nicht übel gelesen habe. Ich habe nie sonderliche Hoffnung auf sein Kommen gehabt, indessen haben wir das Unsrige getan.  

Der Herzog ist nicht wohl, darüber werde ich etwas später kommen, denn ich muß doch noch einmal vorher nach Roßla. Mich verlangt gar sehr zu sehen, wie weit Sie gekommen sind, und fühle ein wahres Bedürfnis, das Farbenwesen endlich einmal loszuwerden. Die Propyläen sind für mich eine wahre Wohltat, indem sie mich endlich nötigen, die Ideen und Erfahrungen, die ich mit mir so lange herumschleppe, auszusprechen. Es freut mich sehr, wenn Ihnen das erste Stück recht freundlich und gemütlich entgegen gekommen ist. Leben Sie recht wohl, genießen Sie der schönen Tage, ich habe jetzt nur meine großen Zimmer im Schloß und meinen neuen Ofen im Auge und hege keinen andern Wunsch, als von der Chromatik entbunden zu sein; doch wer kann wissen, was über uns verhängt sei. Grüßen Sie Ihre liebe Frau, und bleiben Sie fest im Bunde des Ernstes und der Liebe, alles übrige ist ein leeres und trauriges Wesen.

G.
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