> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 16.12.1800 (780)

2015-03-18

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 16.12.1800 (780)




AN SCHILLER

Jena am 16. Dezember 1800.

In den ersten Tagen meines Hierseins erhielt ich, durch Kirms, die Nachricht daß Iffland meinen Tancred den 18. Januar, zur Krönungsfeier, aufführen wolle. Ich habe ihm zwei Acte geschickt und denke den Überrest nachzusenden. Hätte er früher etwas von einer solchen Absicht merken lassen, so hätte man die Chöre hinzufügen und dadurch dem Stück mehr Leben und Masse geben können.

Mag es indessen gehen wie es kann; aber da ich auf diese Weise kompromittiert bin, so muß ich wenigstens noch acht Tage hier bleiben um das Ganze fertig zu machen, denn absetzen darf ich gar nicht. Um nur das möglich zu machen was geschehen ist, habe ich in diesen Tagen meines Hierseins die absolute Einsamkeit statuiert, keinen Philosophen noch Physiker, kurz, außer Lodern, gar niemand gesehen. Ich habe mich in dem romantisch tragischen Kreise gehalten und das was ich mache, so wie das was ich gemacht habe, erscheint mir doch einigermaßen in einem günstigen Lichte, welches höchst nötig ist, wenn man fertig werden will.

Da an Iffland, wie mir Kirms schreibt, noch nichts gegangen ist, so wäre mein Rat man suchte ihn auf den Mai zu bestimmen; denn ich weiß überhaupt nicht wie er, oder irgend ein bedeutender Berliner Schauspieler, im Januar kommen will, wenn sie den 18ten Januar auf das Krönungsfest entweder den Tancred, oder irgend ein bedeutendes Stück geben wollen. Erlauben Sie daß der Hofkammerrath Kirms Sie deshalb spreche; ich werde ihn dazu veranlassen.

Nun muß ich Sie aber inständig ersuchen mit Meyern, den ich recht sehr zu grüßen bitte, sich der Aufführung der Iphigenia anzunehmen. Auch wird Probe und Vorstellung immer genug Interesse für Sie haben, da das Stück doch ganz als lyrische Tragödie erscheint.

Weiter weiß ich nichts zu sagen und füge nur noch ein herzliches Lebewohl hinzu.

G.
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