> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.01.1803 (879)

2015-03-25

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 26.01.1803 (879)




AN SCHILLER.

Weimar am 26. Januar 1803.

Schon einigemal dachte ich zu fragen wie es Ihnen ginge, und tue es jetzt. Damit Sie aber Lust haben einigermaßen ausführlich zu sein, so erzähle ich folgendes von mir: An dem Supplement zu Cellini ist es zeither, sachte, vorwärts gegangen. Ich habe manches Fördernde gelesen und gedacht.

Einige neue Kupfer sind mir zugekommen, die mir Vergnügen und Unterhaltung gewähren.

Einen ungeschickten Abguss des Kopfs einer Venus Urania, von Kassel, habe ich mit Liebe ausgeputzt und restauriert, damit er nur einigermaßen anzusehen sei. Ich mußte teilweise das Nebulistische vorwalten lassen, das denn, bei der bestehenden köstlichen Grundform, in diesem Collisivfalle gelten mag.

An Humboldt habe ich einen langen Brief abgelassen.

An den Münzen ist wenig geschehen; doch gibt jeder Ein- und Anblick neue Belehrung.

Doktor Chladni ist angekommen und hat seine ausgearbeitete Akustik in einem Quartbande mitgebracht. Ich habe sie schon zur Hälfte gelesen und werde Ihnen darüber mündlich über Inhalt, Gehalt, Methode und Form manches Erfreuliche sagen können. Er gehört, wie Eckhel, unter die Glückseligen, welche auch nicht eine Ahnung haben, daß es eine Naturphilosophie giebt und die nur mit Aufmerksamkeit suchen die Phänomene gewahr zu werden, um sie nachher so gut zu ordnen und zu nutzen als es nur gehen will, und als ihr angebornes, in der Sache und zur Sache geübtes Talent vermag.

Sie können denken, daß ich sowohl beim Lesen des Buchs, als bei einer mehrstündigen Unterhaltung, immer nach meiner alten Direktion fortgeforscht habe, und ich bilde mir ein einige recht gute Merkpunkte, zu weiteren Richtungen, bezeichnet zu haben.

Überhaupt sehe ich es als ein gutes Omen an, daß er eben jetzt kommt, da wir, mit einiger Wahrscheinlichkeit, Zeltern erwarten.

Auch hatte ich eben die Farbenlehre einmal wieder durchgedacht und finde mich, durch die in so vielem Sinn kreuzenden Bezüge, sehr gefördert .

Möchten Sie wohl Chladni eine Viertelstunde gönnen? damit Sie doch auch das Individuum kennen lernen, das, auf eine sehr entschiedene Weise, sich und seinen Wirkungskreis ausspricht. Vielleicht geben Sie ihm, da er von Jena aus gern Rudolstadt besuchen möchte, eine empfehlende Zeile mit.

So weit für diesmal! ob ich gleich noch einiges Plus und Minus zu vertrauen hätte, wovon denn eins das andere übertragen mag.

Leben Sie wohl und sagen mir auch von sich etwas ausführliches und lassen Sie uns, da wir uns beide gegen das Ausgehen sträuben, wenigstens, wie jene Verliebte, über den Schirm korrespondieren.

G.

                                                     


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