> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 22.12.1798 (556)

2015-03-05

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 22.12.1798 (556)




AN SCHILLER

Weimar, 22. Dezember 1798

Die Nachricht von Ihrer baldigen Ankunft erfreut mich sehr und ist die schönste Hoffnung, die mir die wieder rückkehrende Sonne bringt. Auf die Farbenlehre habe ich auch nicht einen Augenblick denken können; ich will diese nächsten Tage noch mancherlei Geschäfte schematisieren und aufs nächste Jahr einleiten, damit ich, wenn Sie herüberkommen, ganz frei bin.

Es ist so ein unendlich seltener Fall, daß man sich mit- und aneinander bildet, daß es mich nicht mehr wundert, wenn eine Hoffnung, wie die auf eine nähere Kommunikation mit Schelling, auch fehlschlägt. Indessen können wir doch immer zufrieden sein, daß er uns so nahe ist, indem wir doch immer gewissermaßen das, was er hervorbringt, werden sehen; auch macht sichs vielleicht mit der Zeit.

Zum l’Hombre wünsche ich Glück. Sie werden in der Anthropologie selbst die Apologie des Spiels finden, und ob ich gleich persönlich keine Idee habe, wie man sich dabei zerstreuen oder erfreuen könne, so zeigt es mir doch die Erfahrung an so viel Menschen. Mich entschädigen in solchen Augenblicken mancherlei wissenschaftliche Spiele, wie Mineralogie und dergleichen. Freilich sind die Abende jetzt sehr lang und unfruchtbar.

Das Thouretische Quartier steht, so viel ich weiß, ganz leer, ist rein und dürfte nur möbliert werden, wofür ich schon sorgen will. Es sind zwei heizbare Zimmer und einige Kammern.

Gern lasse ich Sie nicht aus meiner Nähe, doch ist freilich das Quartier das ich Ihnen anbieten kann, besonders im Winter, nicht bequem. Wir müssen nur eine Einrichtung treffen, denn sonst verlieren wir Zeit und Gelegenheit.

Wegen des Thouretischen Quartiers erfahren Sie Mittwochs mehr.

Könnten Sie mir die Rolle für Wallensteins Gemahlin gleich senden, so schickte ich sie unserer neuen Actrice nach Regensburg. Sie hätte auf der ganzen Herreise Zeit daran zu lernen und, da sie den vierzehnten kommt, so träfe sie noch eben zur rechten Zeit ein daß das Stück auf den dreißigsten gegeben werden könnte.

Leben Sie recht wohl; in Hoffnung Sie bald wieder zu sehen werde ich noch manches was uns hindern oder stören könnte, wegarbeiten.

G.


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