> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 07.11.1798 (536)

2015-03-04

Briefwechsel Goethe-Schiller: An Schiller 07.11.1798 (536)



AN SCHILLER

Weimar, den 7. November 1798

Ihren Brief, mein Wertester, habe ich leider erst gestern Abend gefunden, als ich von Roßla zurückkam. Professor Meyer wird das mögliche tun, Ihnen die Abdrücke bald zu schaffen.

Ich gratuliere zum Einzug in die Stadt. Die Nachbarschaft gibt denn doch, besonders den Winter, eine lebhaftere und bequemere Kommunikation.

Schröders Antwort ist, wie es scheint, Ihnen sonderbarer vorgekommen als mir. Bei meinem radikalen Unglauben an die Menschen kommt mir so etwas ganz natürlich vor.   

Ebenso möchte ich auch wegen der Aufnahme des Almanachs sagen: wer nicht, wie jener unvernünftige Sämann im Evangelio, den Samen umherwerfen mag, ohne zu fragen, was davon und wo es aufgeht, der muß sich mit dem Publiko gar nicht abgeben.

Ich wünsche guten Fortgang des Wallensteinischen Gedichtes. Was mich betrifft, so komme ich diesmal mit dem festen Vorsatz zu Ihnen, mir das Farbenwesen, es koste was es wolle, vom Halse zu schaffen. Ich habe es diese letzten Tage einmal ganz wieder überdacht, und die Darstellung meiner Ansichten scheint mir immer möglicher zu werden. 

Leben Sie recht wohl und grüßen Ihre liebe Frau; ich werde nun nicht lange mehr außen bleiben.

G.
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