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2015-04-03

Gedichte v. D.v.Liliencron: Abendgang (1)

Detlef von Liliencron



Abendgang

  Noch nicht November, und der erste Schnee;
Es drückt den Wald das erste Winterweh.
Auf seinen Wegen wandert wohl der Tod ;
Wohin er schreitet, sterben Leid und Not.

Da orgelt plötzlich, fern, ein Hirsch im Holz,
Und in Gedanken seh ich, wie er stolz
Die Stangen hebt und seiner Nüstern Hauch
Erwärmend hinzieht über Blatt und Strauch.

Das Leben wacht, doch als ich um mich schau,
Da schläft am Wege eine alte Frau.
Der Ast, den sie gesammelt, preßt wie Stein;
Auf ihrer schweren Bürde schlief sie ein.

Sie schläft für ewig. Soll ihr Rückenjoch,
So fest gebündelt, in den Himmel noch?
Der Abendpurpur flicht den Kranz der Ruh
Und küßt den Staub ihr ab von Saum und Schuh.


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