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2015-04-27

Gedichte von J.W.v.Goethe: Valet (151)




      Valet

Sonst war ich Freund von Narren,
Ich rief sie ins Haus herein;
Brachte jeder seinen Sparren,
Wollten Zimmermeister sein.
Wollten mir das Dach abtragen,
Ein andres setzen hinauf,
Sie legten das Holz zu Schragen
Und nahmen's wieder auf.
Und rannten hin und wider
Und stießen einander an;
Das fuhr mir in die Glieder,
Das ich den Frost gewann.
Ich sagt: »Hinaus, ihr Narren!«
Sie ärgerten sich drob;
Nahm jeder seinen Sparren.
Der Abschied, der war grob.

Daher bin ich belehret,
Ich sitze nun an der Tür;
Wenn einer sich zu mir kehret:
»Geh«, ruf ich, »für und für!
Du bist ein Narr, so greulich!«
Da macht er ein flämisch Gesicht:
»Du Hausherr! Wie abscheulich!
Was gibst dir für ein Gewicht!

Wir faseln ja durch die Straßen,
Wir jubeln auf dem Markt,
Wird einer wegen Unmaßen
Gar selten angequarkt.
Du sollst uns gar nichts heißen!«

Nun endet meine Qual!
Denn gehn sie vor die Türe,
Es ist besser als in den Saal.

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