> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Goethe 06.06. 1813 (222)

2015-05-30

Briefwechsel Goethe mit seiner Frau Christiane: Goethe 06.06. 1813 (222)




1813

211. Goethe 

[Teplitz, 6.Juni 1813.]

Pfingsten, das liebste, lieblichste Fest  bringt mir einen Brief von Dir, bis auf einen sind alle angekommen; da Du aber sie gleichlautend ausstelltest, so weiß ich, wie es ohngefähr bei euch aussieht, und wiederhole: danket Gott, daß ihr so davongekommen seid, ich habe ganz anderes gesehen.

Ein Brief an Wolff wird angekommen sein. Ich sprach von Johns Krankheit, er ist wieder besser. Das Übel hat er sich durch einen temperleinischen Eigensinn (1) zugezogen, es ward aber sehr ernsthaft. Nun ist er besser, ich habe mich der Lage gemäß eingerichtet, und an meiner Arbeit schadets mir nicht. Ich hatte so sehr viel vorgearbeitet, daß ich einige Wochen zur Revision brauche. Ich komme mit allem, was ich mir vorgenommen, sehr gut zu Stande. Am goldenen Ei (2) solls nicht fehlen. Daß Du das Mögliche thust, weiß ich und erkenn es; fahre so fort und vergnüge Dich dazwischen, bis wir uns wieder in der Gegenwart einer treuen Liebe erfreuen können.

Zur Communication brauchts nun weiter keine Umstände, Schreibt mir nur direct nach Töplitz durch Dresden, so habe ich den Brief bald genug. Ohngefähr am 10. Tag.

Gesellschaft sehe ich fast gar nicht, sie sind alle im Augenblick ersoffen und quälen sich von Morgen zu Abend mit widersprechenden Neuigkeiten; aber mit meiner Hauptsache geht es gut und muß immer noch besser gehn, da mir das Bad sehr wohl bekommt, und ich Zeit habe, alles wohl zu überlegen.

Wenn Du meinen Brief nicht lesen kannst, so wird Uli aushelfen, ich gewöhne mir fast ihre Hand an, es sieht fast aus, als wenn ich in sie verliebt wäre.

Kannst Du mir ohne große Beschwerlichkeit etwas von unsern Jenaischen Freunden sagen, und wie diese durch die Zeit durchgekommen sind? Vom guten Knebel möcht ich gern etwas wissen. Sie haben es vielleicht leidlicher gehabt als ihr.

Seit dem 27. Mai, dem Datum Deines letzten Briefes, wirst Du erhalten haben:

1. Ein Paquet durch Stallmeister Sievers unterm 24.
2. Einen Brief. Antwort auf  Deinen vom 24. Mit Liedchen und Nachricht des besorgten Brunnens unterm 1.Juni.

NB. am 5. ging ein Brief an WolfF ab.

So weit war ich gestern gekommen. Heute noch einiges. Ich freue mich sehr, daß alles bei euch wieder im alten Gleise geht, die Besorgung der Gärten, das Theater und das liebe Belvedere. Fahret so fort, das Nöthige zu thun und euch zu vergnügen.

Melde mir doch auch etwas von Geh. Regierungs-Rath von Müller und grüße ihn schönstens. Ingleichen von Falk, auch diesem sage ein freundlich Wort, Lortzings nicht weniger.

Ich wünschte nur, Du könntest ein paar Tage mit mir in meinem Gartenhause sein. Das Gärtchen ist klein, liegt aber frei und hat die schönste Aussicht. Das Baden bekommt mir sehr gut, auch habe ich einen guten Wein gefunden und kann alle Tage Krebse haben; so siehst Du also, daß mir nichts abgeht.

John hat gut geschlafen, und es steht viel besser mit ihm. Madame Schopenhauer viel Grüße! wie ist es ihr da draußen ergangen? Meldet mir so nach und nach, was sich sagen läßt, und behaltet mich lieb. Teplitz, den 7.Juni 1813, als am 2. Pfingsttage. 

G.

Frau von Heygendorf die schönsten Grüße, auch Herrn Hofkammer-Rath (3) und Genast.






1. D.h. durch Saumseligkeit, wie der alles verschiebende, immer Zeit vertändelnde Kaufmann Temperlein in dem (in Weimar mehrmals aufgeführten) Lustspiel >Herr Temperlein oder Wie die Zeit vergeht<, einer anonymen Bearbeitung von Picards)Monsieur Musard au Comme le temps passet,. - 2. Honorar von Cotta.-3. Kirms.

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