> Gedichte und Zitate für alle: J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Wie Mephistopheles das Patronat über alle Wortmenschen und Scholastiker übernimmt....( 39)

2015-06-09

J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Wie Mephistopheles das Patronat über alle Wortmenschen und Scholastiker übernimmt....( 39)




21.

Wie Mephistopheles das Patronat über alle Wortmenschen und Scholastiker übernimmt, und was auf diesem Wege zu hoffen ist.

Wie sollte darum ein Mephistopheles von einem Wege, der zu solchen Resultaten führt, nicht gelegentlich abraten? Auch in der Theologie spielt der Teufel den Scholasticus und stellt auch hier das leere Wort ohne alle Begriffe oben an. Warum er auch in diesem Fache dem Getrennten so hold ist, darüber läßt er uns keineswegs in Ungewissheit, indem er sagt:

Denn eben, wo Begriffe fehlen,
Da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.
Mit Worten läßt sich trefflich streiten,
Mit Worten ein System bereiten,
An Worte läßt sich trefflich glauben,
Von einem Wort läßt sich kein Jota rauben!

Statt jener wahrhaften Theologie also, wodurch der Mensch Gott in sich erlebt und in verwandter Reinheit des Herzens ein Engel zu den andern Engeln in seinen ewigen Ursprung wieder zurückkehrt, zeigt ihm der Teufel eine andere Kunst, die ihn an den Außenwerken der Religion verhaftet und jenen gefährlichen, nichtigen Streit um hohle Lehren und Dogmen, wie er misshellig genug durch die dunkeln Jahrhunderte wiederklingt, immer wieder aufs Neue anzufachen und zu erwecken geschäftig ist.

Nachdem er so alles echte Wissen in dem Schüler abgetödtet und ihm dagegen die Wortwissenschaft als das höchste Kleinod empfohlen hat, schreibt er ihm, damit auch die letzte Gabe die der Mensch einer aufgeblähten, falschen Gelehrsamkeit verdankt, der Stolz, ja nicht außenbleibe, als Gegensatz christlicher Demut in sein Stammbuch höhnisch denselben Spruch ein, womit der Teufel einst unser Aller Stammmutter, Eva, als er ihn den Apfel gab, zum Falle verlockte: „Sobald ihr von dieser Frucht essen werdet, sind eure Augen aufgethan und ihr werdet Gott gleich seyn.“ Kaum aber wendet der gläubige und hocherbaute Schüler den Rücken, so legt der Teufel das ehrliche Geständniß ab: dem Scholar solle schon einmal auf diesem Wege eines hohlen und leeren Formenkrames vor seiner Gottähnlichkeit bange werden:

Folg' nur dem alten Spruch und meiner Muhme, der Schlange,
Dir wird gewiß einmal bei Deiner Gottähnlichkeit bange.


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