> Gedichte und Zitate für alle: J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Vom Wissen in Gott oder von der rechten Magie. (26)

2015-06-08

J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Vom Wissen in Gott oder von der rechten Magie. (26)




8.

Vom Wissen in Gott oder von der rechten Magie.

So die falsche Magie; wie anders die rechte! Ich verstehe darunter jene fromme geregelte Naturbetrachtung, die ihren Standpunkt als Mensch erkennt, die jene unübersteiglichen Schranken zwischen sich und dem Schöpfer mit Behutsamkeit wahrnimmt, die den Himmel nicht erstürmt, sondern liebend auf in hofft, indem sie fest glaubt, daß diese nichtige Erdbeschränkung einst ein Ende nehmen, und der Mensch, seiner höhern Natur gemäß, insofern er sich anders in diesem Lande der Prüfung dazu geschickt macht, notwendig in das Wesen Gottes, d.h. in die schaffende Urkraft übergehen muss. Hoffnung und Glaube beflügeln sonach unsere Seele auf diesem Wege, ohne sie in jene schroffen und gefährlichen Abgründe zu stürzen, die den unbehutsamen Faust vor unsern Augen so schwindelnd in Empfang nehmen. Hier schon auf Schleichwegen oder mit Gewalt erlangen wollen, was jenseits nur erreichbar, ja vielleicht den Seligen in einer andern Welt vorbehalten ist, grenzt an verderbliche Neugierde, und die frommen Vorfahren haben deshalb solche verkehrte Richtungen des menschlichen Geistes mit dem Namen schwarze Kunst, belegt. Wenig mag es sonach befremden, das ein in seiner ganzen Aufgabe verfehltes wissenschaftliches Bestreben, wie das des Faust, auch ein ganz verfehltes Leben zur Folge hat. Denn wie sollte es auch anders kommen? Es ist keine Ursache vorhanden, warum der jüngste Versuch des menschlichen Stolzes, Gott gleich zu seyn, nicht gerade ebenso kläglich wie der erste ablaufen sollte. Die Verachtung der Wissenschaft, welcher sich Faust in der Folge ergibt, ist nur ein neuer Irrweg. Von ihm sagt Mephistopheles mit Recht:

Verachte nur Vernunft und Wissenschaft,
Des Menschen allerhöchste Kraft,
Laß nur in Blend-und Zauberwerken 
Dich von dem Lügengeist bestärken,
So hab' ich dich schon unbedingt! -


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