> Gedichte und Zitate für alle: J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Goethe's Glaubensbekenntniß. (38)

2015-06-09

J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Goethe's Glaubensbekenntniß. (38)




20.

Goethe's Glaubensbekenntniß.

Wie anders Goethe im Faust. Da ist von keiner Zeit, von keiner Gegenwart, von keiner Zukunft in Gott die Rede; da ist es nur ein Athem, der in sichtbar unsichtbarer Nähe, wie er dem menschlichen Herzen warm entquillt, so auch alle Kreaturen in sich aufnimmt.

Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub' ihn.
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub' ihn nicht?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht 
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen freundlich blickend 
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau' ich nicht Aug' in Auge Dir,
Und drängt nicht Alles 
Nach Haupt und Herzen Dir,
Und webt in ewigem Geheimniß 
Unsichtbar, sichtbar neben Dir?
Erfüll' davon Dein Herz, so groß es ist,
Und wenn Du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn' es dann, wie du willst,
Nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott!
Ich habe keinen Namen Dafür! 
Gefühl ist Alles,
Nam' ist Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut!

Das ist vielleicht die herrlichste Stelle, die Goethe'n oder irgend einem Dichter über das Wesen Gottes je gelungen ist. Sie gibt mit wenig Worten den Hauptinhalt aller echten Philosophie und Metaphysik, die Gott und die Natur nicht trennt, sondern selig miteinander vereint.


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