> Gedichte und Zitate für alle: J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Das Lied vom Könige und vom Floh. (41)

2015-06-09

J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Das Lied vom Könige und vom Floh. (41)




23.

Das Lied vom Könige und vom Floh.

Es war einmal ein König,
Der hatt' einen großen Floh!

Der Sinn dieses humoristischen Liedes beruht auf nachfolgender Ansicht. An den Höfen schleicht sich oft heimliches Ungeziefer ein, das zu großem Ansehen gelangt und Band und Stern davonträgt. Sobald dasselbe auf dem Platze ist, den es sich zu erlangen vorgesetzt, so muß sich Alles auf das Ehrerbietigste vor ihm schmiegen und bücken, und ist doch nur eitel Ungeziefer. Wie glücklich ist dagegen das Volk, das sich doch wenigstens Luft machen und seiner Haut erwehren kann, wo solche heimliche Praktikenmeister ihm in den Weg treten:

Chorus (jauchzend).

Wir knicken und ersticken
Doch gleich, wenn einer sticht!

Dahingegen am Hof muß die Königin selbst ganz leise auftreten, wo irgend solche Insekten zu Lieblingen des regierenden Herrn heranwachsen; daher singt denn auch Altmayer:

Es lebe die Freiheit! Es lebe der Wein!

Dies Teufelslied fängt mit dem Verse an:

Es war einmal ein König,
Der hatt'einen großen Floh,
Den liebt' er gar nicht wenig,
Als wie seinen eignen Sohn.

Sogar auf eine Hofuniform ist es abgesehen:

Da rief er seinen Schneider;
Der Schneider kam heran:
Da miß dem Junker Kleider,
Und miß ihm Hosen an!
In Sammet und in Seide 
War er nun angethan,
Hatt' Bänder auf dem Kleide,
Hatte auch ein Kreuz daran,
Und war sogleich Minister,
Und hatt' einen großen Stern.
Da wurden seine Geschwister 
Bei Hof auch große Herrn.
Und Herrn und Frau'n am Hofe,
Die waren sehr geplagt,
Die Königin und die Zofe 
Gestochen und genagt,
Und durften sie nicht knicken,
Und weg sie jucken nicht.
Wir knicken und ersticken 
Doch gleich, wenn einer sticht.


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