> Gedichte und Zitate für alle: J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Einige Worte über Faust's Pudel, mit Bezug auf Goethe's Gartengespräche. (32)

2015-06-08

J.D.Falk: Goethe a. nähern persönlichen Umgange dargestellt: Einige Worte über Faust's Pudel, mit Bezug auf Goethe's Gartengespräche. (32)




14.

Einige Worte über Faust's Pudel, mit Bezug auf Goethe's Gartengespräche.

Goethe fängt hier an, eine magische, große Naturansicht, die alle Pflanzen, alle Tiere in Gott sieht, aufzustellen. Der Pudel erscheint vor seinen Augen nicht mehr als Individuum, sondern gleichsam als ein Abdruck jener ewigen, weltbildenden Kraft, von welcher wir Alle miteinander ein Ausfluß sind. Die Erscheinung jedes Creatürlichen ist nämlich, von diesem Standpunkte aus betrachtet, weit mehr, als sie selbst weiß oder besagt. Faust vernichtet in seiner Ansicht die äußern Umrisse jener Pudel=Monade (vgl. das Gespräch nach Wieland's Tode) und erblickt sodann in ihm nur den allgemeinen Feuergeist, der ihn schon einmal erschreckte; jenes vielfältig gestaltete und gestaltende Wesen, dem Alles, was wir auf diesem Erdboden sehen, hören oder wahrnehmen, durch die Richtung irgend eines Hauptmonas gestempelt, seine Entstehung verdankt. Von dem geheimen Bangen und Grausen, das ihn bei dem tiefen Erfassen dieser Larve so mächtig erfaßt, scheint Wagner'n kaum eine Ahnung beizuwohnen. Er betrachtete seinerseits den Pudel als eine sinnreich zusammengesetzte Maschine, die als ein lehrbegieriger Scholar den Studenten belustigende Künste vormacht. Von einer ewigen Natur desselben kann in diesem niedern Gesichtskreis schwerlich die Rede seyn. Das Ding holt Verlornes aus dem Wasser wieder, steht Schildwache auf beiden Hinterfüßen, trägt einen Korb, oder was man sonst will, in seinem Maule nach Hause, und damit ist die Sache für Wagner und Seinesgleichen abgetan. Nicht aber ebenso für den Seher Faust. Bei diesem erweckt die äußere Larve ein inneres Gesicht, und er ruft deshalb wie entzückt aus:

Bemerkst Du, wie in weitem Schneckenkreise
Er um uns her und immer näher jagt.
Und irr' ich nicht, so zieht ein Feuerstrudel
Auf seinen Pfaden hinterdrein.

Ja, es kommt ihm sogar eine Ahnung, als ob er selbst durch seinen unglücksvolle Gemeinschaft mit dem Tierkönig Mephistopheles einem niedern Tierkreise verfallen könnte:

Mir scheint es, daß er magisch leise Schlingen Zu künft'gem Band um unsre Füße zieht.
Wer das oben bereits angeführte Gespräch mit Goethe nach Wieland's Tode mit etwas Aufmerksamkeit gelesen hat, wird durch Das, was daselbst von der Gewalt der Monaden gesagt ist, wie die stärkern unter ihnen die schwächern in ihre Kreise herabreißen, nicht nur jenen Ausruf von Goethe, als er einen Hund bellen hörte: „Mich kriegst du gewiss nicht unter!“ sondern auch diese und andere sonst nur halbverständliche Stellen im „Faust“ gehörig zu deuten im Stande seyn.


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