> Gedichte und Zitate für alle: F. Gundolf: "Goethe"- Biographie-Einleitung Seite 5

2015-07-24

F. Gundolf: "Goethe"- Biographie-Einleitung Seite 5


In der Lyrik ist die Bewegung, die Schwingung, selbst schon die Gestaltung: d.h. das bewegte Ich bedarf keines anderen Materials, keiner Auseinandersetzung mit fremdem Material, um sich auszudrücken und zu verkörpern als sich selbst. Indem es sich bewegt, gestaltet es sich schon. Insofern ist Lyrik die unmittelbarste Dichtkunst, aber eben daraus ergibt sich daß wirkliche Lyrik nur einer ursprünglich gestalteten, bildnerischen, formhaften Seele möglich ist, nur einer Seele deren Gehalt selbst schon Form ist. Denn Lyrik ist alles andere als bloßes empirisches Aussprechen jedes beliebigen Ich, Erguß der Seele um jeden Preis, Sprechen wie einem der Schnabel gewachsen ist. Nur wem der Schnabel wirklich zum Singen, zu rhythmischer und melodischer, also gesetzlich geformter Äußerung gewachsen ist, wird, wenn er singt wie ihm der Schnabel gewachsen ist wirkliche Lyrik hervorbringen. Niemals kann ein chaotischer Mensch ein ursprünglicher Lyriker sein, nur ein primär formhafter Mensch kann das . Der primär chaotische Mensch kann ein großer Symboliker und Allegoriker werden, weil aus dem Ringen eines chaotischen Ich mit fremdem Stoff, aus der heiligen Ehe zwischen Ich und Welt Gestaltung hervorgehen kann: aber gerade beim Lyriker ist ja ein solcher Weg vom Chaos zur Gestalt, welcher das Wesen des künstlerischen Prozesses ist, nicht möglich, es gibt in der Lyrik keine Vermittlung zwischen Ich und Welt, da ja die einzige Welt des Lyrikers sein Ich selbst ist — es gibt keinen Umweg von der Bewegung zur Gestalt, da ja die Bewegung hier selbst schon Sprachgestalt sein muß.

Es gibt Menschen bei denen die Vitalität die Produktivität überwiegt, die eine größere Lebensfülle haben als sie gestalten können: bei solchen ist die Gefahr des Chaotismus, wie bei Jean Paul z. B., auch bei Novalis. Es gibt andere bei denen es umgekehrt ist, bei denen der Wille zu gestaltten immer wach und gespannt ist, aber das innere Leben nicht Material genug bietet um diesen Gestaltungswillen immer zu beschäftigen: er wendet sich dann leicht gegen sich selber und erstarrt in einem Formen des Formenden . Manches von Klopstock kommt daher, manches bei Platen . Das ist die Gefahr solcher bildnerisch angelegten Menschen deren angeborenes Ich einerseits nicht reich und tief genug ist um ein langes Leben zu nähren und andererseits nicht die Gabe hat überzugreifen und fremden Weltstoff sich gestaltend anzuverwandeln. Dies ist eine Schicksalsgabe für sich, die mit dem angebornen Adel und der angebornen Großheit einer Seele noch nichts zu tun hat, obwohl es freilich wahrscheinlich ist daß den allerreichsten und schicksalsvollsten Naturen am ehesten auch diese übergreifende expansive Gewalt innewohnt — unbedingt nötig ist es nicht: Hölderlin ist eine sehr große Seele und ihm fehlte die übergreifende Gewalt.

Goethe besaß diese übergreifende, weltverwandelnde Gewalt im hochsten Maße, seine Kraft fremden Stoff sich anzueignen und zu verdauen ist nicht geringer als die formende Stärke seines angeborenen Ich — das heißt: er erlebte die Welt nicht minder gestaltet als er sein Ich erlebte. Dies leitet uns zu der zweiten Gruppe seiner Dichtungen: den symbolischen. Unter symbolischen Dichtungen verstehe ich solche welche den Gehalt des dichterischen Ich nicht in den Bewegungen dieses Ich selber ausdrücken, sondern in einem ihm ursprünglich fremden, erst durch den Gestaltungsprozeß ihm anverwandelten Stoff. Dieser Stoff kann der Natur, der Geschichte oder der Gesellschaft entnommen sein: wesentlich ist daß er nicht von vornherein mit dem Lebensgesetz, mit dem Dasein, und der Erlebensart des Dichters gegeben ist, nicht ihm angeboren ist. Während also in der Lyrik der einzige Ausdruck, der einzige Leib, die einzige Form des Gehalts — eben des Ichs — dieses Ich selbst ist, prägt es sich hier aus in einem neu hinzukommenden Stoff: seine Bewegung empfängt Gestalt, Leib, Form durch ein anderes welches nun zu ihm selbst gehört: das nennt man Symbol . . Symbol oder Sinnbild ist jede Gestaltung welche einen bestimmten Gehalt verkörpert, ausdrückt, darstellt. Der Prozeß durch den ein Dichter fremden Stoff zum Ausdruck eignen Wesens macht ist demjenigen verwandt durch den er seine eigene Schwingung als lyrische Sprachgestalt widergibt: oder vielmehr, er ist eine weitere Funktion derselben Kraft durch welche er schon rhythmisch gestaltet lebt und schwingt. . es ist das Übergreifen des angebornen Formtriebs aus dem Bereich des Ichs in die umgebende Welt, und die Folge davon ist entweder die Erweiterung des Ichs durch vorgelagerte Schichten, oder auch die Füllung vorgelagerter Welt durch das Ich . . das sind nicht nur verschiedene Definitionen, sondern hängt ab von zwei verschiedenen Grundtypen des Gestaltungstriebs: den einen kann man den attraktiven nennen, den anderen den ex# pansiven. Der höchste Typus des ersten in der Dichtung ist Dante, der höchste Typus des anderen ist Shakespeare. Der attraktive Schöpfer hat den Trieb die ganze Welt in sein Ich zu verwandeln, nach seinem Grundbilde zu formen. Er fühlt sein Ich als Mitte und Sinnbild der Welt, wie es Dante getan hat. Der expansive Schöpfer hat den Trieb die ganze Fülle seines Inneren auszugießen in die Welt, bis sein Ich selbst zur Welt erweitert, in die Welt investiert ist, die Welt angefüllt ist mit den Kräften seines überströmenden Ich. Er will nicht die Welt in sich verwandeln, sondern sich in die Welt. Er will nicht das Sinnbild der Welt sein, sondern die Welt soll sein Sinnbild sein, wie die Welt Shakespeares es ist. Der attraktive Schöpfer leidet an der unvollkommenen Welt, welche seinem Ideal d.h. der Projektion seiner seelischen Form, seinem angebornen inneren Gesetz nicht entspricht. Er befreit sich durch die Gestaltung von dieser Disharmonie mit der Welt. Der expansive Künstler leidet an der Überfülle seines Ich und befreit sich, indem er ihr Raum, Gefäß und Gestalt schafft in dem grenzenlosen Weltstoff.

Beide Typen hat es in den neueren Zeiten immer wieder gegeben, wenngleich keine so vollkommenen wie die beiden größten Weltdichter Shakespeare und Dante. Viel häufiger sind die Ansätze, die Mischformen und die Karikaturen beider seelischen Anlagen: denn beide haben ihre Gefah« ren. Ist der attraktive Geist nicht sehr rund und harmonisch, weit und groß, so wird er die Welt vergewaltigen und verzerren nach den Verbie» gungen seiner eigenen Natur. Ein Beispiel für diese Art Vergewaltigung ist Byron. Ist der expansive Geist nicht wirklich überreich, überströmend genug um, wie Shakespeare, die Welt in die er sich einläßt bis zum letzten Rand zu füllen, das heißt, völlig zu durchbluten, zu durchseelen, so entsteht entweder ein Hohlraum in der Mitte, wo das Ich ausgeflossen ist, und es bleibt nur eine zuckende Peripherie von zusammenhangslosen Lebendigkeiten, oder es bleibt ein nicht ganz vermenschlichter, unbeseelter Komplex bloßer Sachlichkeiten, Schilderungen, Rohmaterial von Sachbeobachtungen. Ein Beispiel für diese Art ist etwa Balzac. Beim Attraktiven der kein Dante ist scheint es an Welt zu fehlen, beim Expansiven der kein Shakespeare ist scheint das Ich verkümmert. Der Symboliker attraktiver Art, bei dem die Welt zu kurz kommt, grenzt an den Lyriker, der Symboliker expansiver Art, bei dem das Ich zu kurz kommt, grenzt an den AIlegoriker. Denn lyrisch ist es, wenn es keine Welt, kein Nicht«ich gibt, symbolisch ist, wenn Ich und Welt zusammenfallen zur Einheit, allegorisch, wenn Ich und Welt auseinander fallen und hinterher miteinander verbunden, aufeinander bezogen werden.

Goethe gehört ursprünglich zu den Attraktiven, ist neben Dante der großre, aber ein weit gemischterer Vertreter dieses Typus, und zwar nicht aus Gründen die in seinem Ich gelegen hätten, in einem Mangel an gestalten» der und weltzwingender Urkraft, sondern aus Gründen die in seiner Welt lagen, und die ihn, wenigstens unter dem Gesichtspunkt der Gestaltung, in ungünstigere Bedingungen stellten als den Florentiner. Dantes Welt war noch eine zusammengehaltene, begrenzte, nach Gesetzen die für unverbrüchlich gehalten, als unabweichbar erlebt wurden, geordnete, überschaubare . . die Goethes war bereits auseinander gebrochen, unübersehbar, und ihre Grundlagen vielfach fragwürdig geworden. Dante konnte mit einem ungeheuren Griff von seinem Zentrum aus seine Welt an sich heranzwingen, in sich hineinzwingen. Für Goethe war das, bei einer eben» hurtigen Kraft, seiner Welt gegenüber nicht mehr möglich: er mußte überhaupt erst sich gegenüber dieser unübersehbar zerfahrenen Welt orientie» ren, sich seinen Platz und die Materialien suchen die er zur Darstellung und Ernährung seines Ich brauchen konnte. Daher hat sein Gesamtschaffen, verglichen mit dem Dantes und Shakespeares, etwas Experimentieren» des, Tastendes — und sein Suchen und Streben, im Faust und im Wilhelm Meister selbst zu Symbolen nicht nur eines Menschen, sondern eines Zeitalters zusammengefaßt, ist gegenüber der unerschütterlichen, gemessenen Sicherheit Dantes und Shakespeares gewiß eine Not, wenn Goethe auch eine Tugend daraus gemacht hat . „Der gute Mensch in seinem dunklen Drange“ ist ein relativ modernes und schwächeres Produkt als der Renaissancemensch, dessen oberste Aufgabe ist „in Bereitschaft sein“, dessen Problem nicht Streben, sondern „Sein oder Nichtsein“ lautet. Wie aber die Welt damals war, ist jene faustische Losung und Lösung allerdings die höchste und heilsamste des geistigen Menschen gewesen.

Nicht nur durch die Unübersehbarkeit seiner Welt stand Goethe als Gestalter im Nachteil gegenüber Dante, sondern mehr noch durch ihre geringere Ursprünglichkeit. Dantes und Shakespeares Welt war noch gefüllt und bewegt von den unmittelbaren Kräften des Urlebens selber. Wie viele Bildungselemente auch im Mittelalter und noch mehr in der Renaissance aus dem Altertum herübergenommen waren: sie waren doch alle organisch vom aktuellen Leben der Zeit verdaut und bewältigt, kein Wissenschaftlicher oder Bildungsrohstoff geblieben, sondern überall umgesetzt in aktive sinnliche Anwendung. Das heroische Leben war noch überall sinnlich bewegte Gegenwart der öffentlichen Zustände, Sein und Geist waren noch nicht auseinandergetreten in Wirklichkeit und Bildung, es gab noch keine vom tätigen täglichen Dasein unabhängige Theorie um der Theorie, Bildung um der Bildung, Wissenschaft um der Wissenschaft willen: kurz, keine selbständig etablierte Bildungswelt gegenüber der wirklichen. Sage, Ferne, Traum, Wunder, Märchen und dergleichen Jenseits waren Zierrat oder Zuflucht, Komplement oder Korrelat der tatsächlich gelebten Wirklichkeit, aber jedenfalls immer eine Funktion dieser Wirklichkeit, noch nicht ein Schleier der von der Wirklichkeit trennte, nicht eine Brille durch die hindurch man seine Wirklichkeit sah.

All dies aber ist das Zeichen des Goethischen Weltalters. Die Menschen der Goethischen Welt waren, um das Wort Stefan Georges zu gebrauchen, nicht mehr Söhne der Gaea, sondern ihre Enkel, d. h. nicht mehr genährt aus den erdhaften Stoffen selbst, sondern aus bereits abgeleiteten.

Vor der sinnlich unmittelbaren Welt lag in Goethes Zeit eine Bildungswelt, eine abschwächende, trübende, mildernde Schicht von Wissen, ein historischer Sinn der alle Vorgänge noch im Vorgehen selbst brach und in Bildung spiegelte: eine Welt in der man (verglichen mit Dantes und Shakespeares Welt) mehr sann als sah, mehr empfand als fühlte, mehr wußte als konnte, mehr trieb als tat, mehr erlebte als lebte.. eine Welt deren unheroisches Gesamtniveau selbst zwei mächtige Heroen wie Friedrich und Napoleon nur erschütterten, aber nicht verwandelten, eine Welt der passiven Bildung verglichen mit jener Welt der aktiven Kultur, eine sittige statt einer sinnlichen, eine zweckmäßig geordnete statt einer triebmäßig gewachsenen Welt, wobei an dem triebmäßig Gewachsenen auch die Werke des Geistes teilhatten. Denn Dante und Shakespeare, so sehr sie unter ihrer „Zeiten Spott und Geißel“ leiden mochten, fühlten den Gegensatz als Kraft gegen andere Kraft, nicht als Kraft gegen ein wesenloses Gewebe und Gewäsch, und ein Mann dem der Scheiterhaufen drohte hatte einen froheren und lebendigeren, gefühlteren und volleren Kampf zu führen als einer der zerschwatzt und zernutzt wird von einem Heer papierener Sprecher und Schreiber und einem körperlosen Publikum das ihn nicht anschaut und das er nichts angeht. Damals waren die Gesamtwelt und der Einzelne, Held und Sänger und Volk wohl gradmäßig verschieden, aber artmäßig verwandt: vom unteren dumpfen breiten Boden bis zum geistigsten, geformtesten Wipfel hinauf floß derselbe Saft.

Goethe fand bereits nicht mehr den unmittelbaren Kontakt zwischen schaffendem Einzelnen und empfangender Gesamtheit — ein Kontakt der, einmal unterbrochen, nicht künstlich wieder hergestellt werden kann, son» dern als tragisches Bildungsproblem hingenommen werden muß. Die Tatsache in die der junge Goethe unbewußt hineintrat, und die von dem reifen und alten Goethe oft bewußt als eine persönliche Tragik empfunden wurde, ist die: daß er bereits Bildung und Leben, Ideal und Wirklichkeit des deutschen Volkes nicht mehr als eine homogene Einheit vorfand, daß das Publikum von abgeleiteten Formen lebte. Da er nun selber ein Genie, d. h. ein Urgeist, kein bloßer Bildungsmensch war, so kam es daß er in der umgebenden Welt, die relativ (verglichen mit der Dantes oder Shakespeares, verglichen mit seiner eigenen Natur) eine abgeleitete, sekundäre, eine Bildungswelt war, nur sehr unvollkommenen Stoff fand, wenigstens sehr spröden, widerspenstigen und unreinen Stoff, um ihn sich anzuverwandeln und sich darin auszudrücken.

Goethe war mit seiner Welt nicht so gleichartig wie Dante und Shakespeare mit der ihren: denn jene waren ursprüngliche Menschen in einer ursprünglichen Welt, Goethe war ein ursprünglicher Mensch in einer abgeleiteten, einer Bildungswelt. Und so ist sein Werk (von seiner Lyrik abgesehen, wo er nur sein Urbich zu geben hatte) der immer wiederholte Versuch einen urtümlichen Gehalt auszudrücken, zu symbolisieren im Stoff einer Bildungswelt. So verwebt sich in seiner Existenz Urerlebnis und Bildungserlebnis wie Zettel und Einschlag, und die große allgemeine Tragik jedes Urgeistes jeder Zeit, nämlich die, daß er einen grenzenlosen Gehalt in Grenzen auswirken muß, vollzog sich bei ihm unter der besonderen historischen Form eines Ringens zwischen Urerlebnis und Bildung.

Der große Konflikt in den jeder große Mann gegen die niedrigeren gerät hat bei ihm die besondere historische Form des Gegensatzes zwischen einem ursprünglichen Menschen und einem theoretisch literarischen Bildungsphilisterium. Aber wichtiger als Goethes Stellung zu seinem Publikum ist seine Synthese zwischen seinen Urerlebnissen und den Bildungswelten die er vorfand. Diese Synthese macht den Gehalt seiner symbolischen Dichtungen aus: die Aneignung und Durchdringung des gesamten Bildungsstoffes, der in seiner Zeit von altersher da lag oder zutage gefördert wurde. Unter Urerlebnis verstehe ich z. B. das religiöse, das titanische oder das erotische — unter Bildungserlebnissen Goethes verstehe ich sein Erlebnis deutscher Vorwelt, Shakespeares, des klassischen Altertums, Italiens, des Orients, selbst sein Erlebnis der deutschen Gesellschaft. Aber nicht nur die Arten seiner Urerlebnisse und seiner Bildungserlebnisse waren verschieden, auch die Grade, die Intensitäten und ihre gegenseitige Mischung und Durchdringung fand nicht nach einem ein für allemal in Goethes geistiger Struktur festgelegten Verhältnis statt, sondern in jedem Fall neuer Erschütterung anders. Wir haben Dichtungen in denen das Urerlebnis so bei weitem überwiegt, daß das Bildungserlebnis fast völlig verschlungen und verdampft erscheint, wie im Werther oder im Tasso. Solche Werke nähern sich dann am meisten Goethes rein lyrischer Dichtung. In anderen Werken ist das Urerlebnis, weil minder starken Grades, von dem Bildungserlebnis stärker zugedeckt, hat eine stärkere Masse Bildungsstoff zu bewältigen. Allegorisch nennen wir diejenigen Werke in denen das Bildungs* erlebnis nicht nur überwiegt, sondern allein zum Ausdruck kommt, sei es, daß es sich mit einem Urerlebnis überhaupt nicht gekreuzt oder bei der Mischung dieses völlig erdrückt hat. Ihr Merkmal ist daß hier nirgends unmittelbar erlebte, durchgeformte Gestalt spricht, sondern erst ihre gedankliche Spiegelung, daß in ihnen die abgeleitete Bildungswelt redet, nicht die ursprüngliche Erschütterung des Dichters selbst, nicht seine Anschauung der Welt, sondern seine Gedanken über das Angeschaute, nicht die Formen in denen Goethe die Dinge gestaltet erlebt, sondern die Formeln mit denen er sie einfängt und ordnet.

Zwischen diesen drei Zonen, Lyrik, Symbolik, Allegorik, sind Übergänge, und es ist hier, wo es sich zunächst nur um die grundsätzliche Herausarbeitung der unterscheidenden Merkmale handelt, keine Rücksicht genommen auf Nuancen, Misch und Halbformen, wie sie ohnehin meist entstehen in Zeiten eines zerfallenden Gesamtstils, einer experimentierenden Bildungsrevolution, wie die Zeit Goethes eine war.

Zusammenfassend: Goethes Lyrik enthält seine Urerlebnisse, dargestellt im Stoff seines Ich.

Goethes Symbolik enthält seine Urerlebnisse, dargestellt im Stoff einer Bildungswelt,

Goethes Allegorik enthält seine abgeleiteten Erlebnisse im Stoff einer Bildungswelt.

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